Artikel aus dem Hope Magazin

Mein lang ersehnter Traum - ausprobiert!
Vielleicht war es ein Stück Midlife-Crisis oder der Umstand, dass der Bauchnabel langsam anfing, etwas nach vorne zu wachsen?
Es war jedenfalls schon lange mein Traum, einmal einen Ironman 70.3 Triathlon zu absolvieren. Aber um diesen Traum Wirklichkeit werden zu lassen, musste einiges geschehen.
Meine sporadischen sportlichen Aktivitäten veränderten sich zu einem ambitionierten Trainingsprogramm. Es brauchte monatelange Selbstdisziplin und Vorbereitungswettkämpfe um mein Ziel, 1,9 km Schwimmen, 90 km Radfahren und 21 km Laufen in unter acht Stunden zu schaffen und damit „Ironman“ zu werden.
Beim letzten Vorbereitungswettkampf erlebte ich während des Schwimmens Tritte und Schläge und brauchte volle Konzentration, um nicht abzudriften. Beim Radfahren schoss nach einigen Kilometern der amtierende Europameister wie ein Torpedo an mir vorbei und überrundete mich. Spätestens jetzt verstand ich: es geht vor allem darum, anzukommen. Beim Laufen begegnete ich Hans, der nur noch ging. Er war völlig außer Puste. Ich ermutigte ihn, durchzuhalten und eine Zeitlang liefen wir nebeneinander her. Dann zog ich beim Blick auf die Uhr das Tempo wieder an. Beim letzten Anstieg half ich mit einem Powerriegel nach – doch plötzlich ging nichts mehr, ich musste stehenbleiben. Da spürte ich einen Klaps auf mein Hinterteil und hörte motivierende Worte. Hans hatte wieder zu mir aufgeschlossen und zog nun mich aus meinem Loch! Gemeinsam liefen wir ins Ziel.
Dann war endlich der entscheidende Wettkampftag da. Das Schwimmen verlief super, sogar in Bestzeit. Aber danach schmerzten meine Knie so sehr, dass ich aufgeben musste. Den Siegern konnte ich beim Jubel im Zielbereich nur als Geschlagener zusehen. Ich hatte es nicht geschafft!
Am nächsten Tag wollte meine mich Frau trösten und kaufte mir ein Ironman-Shirt, auf dem die Namen der Sieger aufgedruckt waren. Völlig überraschend fanden wir auch meinen Namen, ohne die Ziellinie überschritten zu haben! In den ersten Tagen saß die Enttäuschung dennoch tief, aber mit etwas Abstand war diese „Niederlage“ eine sehr wertvolle Erfahrung und für Steffi war ich trotzdem ein „Ironman“. Wenn das kein Grund zum Jubeln ist!
- Mein lang ersehnter TraumAudio-Datei zum Anhören dieses Artikels.

Autor: Dr. Christoph Berger
... bereiste mit Leidenschaft schon alle fünf Kontinente und ist hobbymäßig als Olivenbauer auf seiner Plantage auf Sardinien aktiv.
Artikel-Bildnachweis: Pavel1964 - gettyimages.de
