Artikel aus dem Hope Magazin

28.05.2020

"You’ll never walk alone"

Gemeinsam sind wir stark

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»You’ll never walk alone«, auf Deutsch »Du wirst niemals alleine gehen« – das ist die Fußballhymne des FC Liverpool seit den sechziger Jahren. Die Fans kennen sie in- und auswendig und können ein ganzes Stadion mit ihrem Gesang ausfüllen. »Gib niemals auf« lautet die Botschaft. »Halte deinen Kopf oben und fürchte dich nicht vor der Dunkelheit. Am Ende des Sturms ist ein goldener Himmel.« Das Lied wurde als Finale des 1945 uraufgeführten Broadway-Musicals Carousel von Richard Rodgers komponiert und von Oscar Hammerstein II getextet.

Ursprünglich ist es einer schwangeren Frau zugeschrieben – als Ermutigung, um über den Tod ihres Mannes hinwegzukommen. Nachdem 1963 eine Coverversion der Liverpooler Band Gerry & the Pacemakers zum Nummer-Eins-Hit in den britischen Charts wurde, hat sich der Liverpooler Fan-Block – genannt »The Kop« – dieses Liedes angenommen. So wird vor jedem Spielbeginn im Liverpooler Stadion an der Anfield Road »You’ll never walk alone« von den Zuschauern auf der Tribüne als Vereinshymne angestimmt.

 

Wir gehen mit euch durch dick und dünn

Auch in Deutschland und in vielen anderen Ländern weltweit wird diese Hymne von den Fans gesungen. Da sind dann im Stadion eine besondere Andacht und Hingabe zu spüren. Mit diesem Gänsehaut-Song wollen die Anhänger ihre besondere Verbundenheit zu ihrer Mannschaft zeigen und gleichzeitig ihrem Team den Rücken stärken. Gemäß dem Motto: Wir sind eine Gemeinschaft, wir geben alles für euch, wir stehen in guten und in schlechten Zeiten hinter euch und gehen mit euch durch dick und dünn.

Diese verschworene Gemeinschaft kann beliebig auf andere Sportarten und sogar auf das Leben allgemein übertragen werden. Fairness, Respekt, Miteinander, Fleiß, Ausdauer, Durchhaltevermögen, Ehrgeiz und Zielstrebigkeit sind gefragt. Elf Kicker setzen sich bedingungslos ein, um als Sieger das Spielfeld zu verlassen und am Saisonende jubelnd die Meisterschale oder den Pokal in die Höhe zu halten. Wie gut täte es uns allen, von diesen positiven Werten im Fußball zu lernen. Überall – in der Familie, in der Nachbarschaft, in der Freizeit, an den Arbeitsplätzen, Schulen und Universitäten, in Vereinen und Kirchengemeinden. 

Das »Wunder von Bern«

»Elf Freunde müsst ihr sein« heißt ein Jugendbuch des Sportreporters Sammy Drechsel aus dem Jahr 1955. Der Fußballroman gilt als Klassiker des Genres. Dieses Zitat wird fälschlicherweise Sepp Herberger zugeschrieben. Der Bundestrainer der legendären Weltmeisterelf von 1954 wusste genau: Es bedarf mehr als elf Freunde, um erfolgreich zu sein und einen Titel zu gewinnen. Ihm gelang es, aus vielen Individualisten mit unterschiedlichen Charakteren und Anlagen eine schlagkräftige Einheit zu formen. Dazu gesellte sich taktisches Vermögen und eine gewisse Schlitz-
ohrigkeit. Die Auswahl des Deutschen Fußball-Bundes ging in der Vorrunde mit 3:8 gegen Ungarn unter. Im Endspiel drehte die Herberger-Mannschaft den Spieß um, triumphierte mit 3:2 und sorgte so für das »Wunder von Bern« beziehungsweise für ein allgemeines Aufatmen im gebeutelten Nachkriegsdeutschland. Und das mit 22 Amateuren, denn eine Bundesliga gab es noch nicht, Profispieler daher ebenso wenig. Die WM-Teilnahme bedeutete für etliche Spieler vor allem Verdienstausfall, sie mussten teilweise unbezahlten Urlaub nehmen. Zehn Mark Tagesgeld waren ein schwaches Trostpflaster. Zusatzeinnahmen gab es nicht. Keiner hatte einen Werbevertrag, geschweige denn eine Schallplatte besungen. Der Starkult um Fußballer war noch nicht erfunden.

Hilfsbereitschaft und Verantwortung sind wichtige Werte

Die Zeiten und der Fußball haben sich gravierend geändert. Heute sind zahlreiche Profifußballer Millionäre. Aber eines ist geblieben: auch ein Weltklassetorhüter wie Manuel Neuer oder ein Toptorjäger wie Marco Reus können kein Spiel allein gewinnen. Auch sie sind auf ihre Nebenleute angewiesen und wissen: Gemeinsam sind wir stark! Diese Devise gilt auch für das »sonstige« Leben und ganz besonders für die Corona-Krise. Gemeinschaft, Solidarität, Hilfsbereitschaft und gegenseitige Verantwortung sind in den vergangenen Wochen zu wichtigen Werten geworden. Viele Fußballer und andere Sportcracks sind mit gutem Beispiel vorangegangen und haben schon zig Millionen Euro für Hilfsbedürftige gespendet.

»Der Fels meiner Stärke liegt in Gott.«

Einen besonderen Schutz hat Thilo Kehrer für sich gefunden. Der in Tübingen geborene Fußballer, seit August 2018 für Paris St. Germain im Einsatz, U21-Europameister und inzwischen auch A-Nationalspieler, ist Christ. In einem Interview hat er Folgendes über seinen Glauben gesagt: »Also, mein Glaubensleben sieht so aus, dass ich zu Hause sehr viel bete und bewusst Zeit mit Gott verbringe.« Auch bei Auswärtsfahrten im Bus spreche er mit Gott, denn er sei ja immer mit dabei. Er habe so ein Gefühl, dass Gott irgendwie über ihm schwebe und ihm seinen Weg weise. »Wenn ich mal Zweifel habe oder mich nicht gut fühle, erinnere ich mich daran, dass ich immer mit ihm reden kann, wirklich über alles. Wenn es mal ganz dunkel ist, scheint danach bald wieder die Sonne.« Auf seinem Rücken hat er ein Tattoo mit drei Bibelversen. Den ersten ließ er sich mit 18 Jahren auf sein Schulterblatt tätowieren: »Gott ist mein Heil und mein Segen und meine Zuversicht. Der Fels meiner Stärke liegt in Gott.« Auch das zweite und das dritte Tattoo sind auf Französisch. »Da steht, dass ich schätzen soll, dass ich gesund bin, dass ich eine Familie habe, die gesund ist, dass ich das machen kann, was ich will, dass ich meinen Traum leben kann, dass ich immer etwas zu essen habe, dass es mir gut geht und dass dies alles eine Gabe von Gott ist«, erzählt der Abwehrspieler.

Auch Jürgen Klopp vertraut dem Satz »You’ll never walk alone«. Der deutsche Erfolgstrainer des FC Liverpool hat einmal gesagt: »Es gibt zwar keinen Fußballgott. Aber ich glaube, dass es Gott ist, der uns Menschen genauso liebt, wie wir sind, mit all unseren Macken. Und deswegen glaube ich, dass er auch den Fußball liebt. Nur: die Kiste müssen wir schon selber treffen.«

 

Artikel-Bildnachweis: Natee127 – gettyimages.de