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01.03.2022

Aus- oder Einsteiger?

Alles ganz natürlich?

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Alles ganz natürlich? Na ja, wir haben uns schon ganz schön wegbewegt vom paradiesischen Beginn – und das wohl eher nicht zu Fuß. Um sich das bewusst zu machen, kann man den eigenen Lebensmitteleinkauf mal genauer unter die Lupe nehmen und schauen, wieviel da wirklich noch Natur pur ist abseits von Werbe- und Markenversprechungen. Wieviel Kunstfaser hängt im Kleiderschrank, mit wie viel Plastik umgibt man sich und füllt damit den Müll? Nach dem inzwischen berühmt-berüchtigten ökologischen Fußabdruck wäre Rübezahl, verglichen mit uns, wohl ein Zwerg.

Vor über 30 Jahren bin ich mit meiner Familie in ein altes bäuerliches Haus aufs Land gezogen. Manche unserer Besucher waren über unsere Anfänge in der ländlichen Idylle entsetzt und eine gute Freundin konnte sogar ihre Tränen nicht zurückhalten. Lernte sie uns doch kennen, als wir noch in einer noblen Siedlung am Stadtrand wohnten. 

Wo wir glücklicher waren? Natürlich im Bauernhaus – obwohl wir mit Koks geheizt haben – was dem heutigen Umweltschutz wohl nicht mehr ganz so entspricht. In so manchen kalten Wintertagen konnten wir morgens den Frost von den Scheiben kratzen – wohlgemerkt von innen.   

Wie das Leben so läuft, spülte es uns dann doch wieder an einen neuen Ort und ich musste feststellen, dass wir so manchem Ideal der Natürlichkeit etwas nachhinken. Dem bekannten Satz von Werner Mitsch konnten auch wir uns nicht ganz entziehen: „Alle wollen zurück zur Natur. Aber keiner zu Fuß.“ Ganz so konsequent, wie wir es eigentlich wollten, ist es dann doch nicht geworden. Darum halte ich mich auch mit Vorwürfen anderen gegenüber etwas zurück.

Nichtsdestotrotz – mehr Natürlichkeit steht und tut uns gut. Um hier in ein Umdenken einzusteigen, muss man nicht gleich zum kompletten Aussteiger werden. Es gibt viele Möglichkeiten, die Natur wieder mehr als Zusammenspiel aus Geben und Nehmen zu verstehen, achtsamer und natürlicher zu werden – auch in unserer Persönlichkeit. Unserer Umwelt, in beiderlei Sinne des Wortes, würde das sicher nicht schaden.

 

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Autor: Pierre Intering

Hope Magazin, Chefredaktion

Artikel-Bildnachweis: Albert Gruber