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27.02.2021

Editorial

»Ihr dürft lachen, ihr dürft weinen, aber jammern dürft ihr nicht«*

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"Unser Land sollte beim Jammern nicht gleich vorne anstehen", sagt Bernd Quoß, Leiter eines Berliner Krankenhauses im Interview (S. 12). Einerseits stimme ich zu, andererseits muss man seinen Unmut, seine Ängste und Unsicherheiten auch irgendwo äußern. Es ist wichtig, sich austauschen zu können. Psychologen zufolge führt das Sich-Zurückziehen dazu, dass man schneller in negative Denkmuster rutscht. Dann lauert hinter jedem Telefonanruf des Chefs Kontrolle und hinter jedem "Wir haben keine Patentlösung für diese Pandemie." eine geheime Verschwörung. 

Auch ich habe schon gefragt, wann es endlich wieder etwas mehr Normalzustand geben wird. Doch wenn ich dann auf Länder schaue, in denen es »normal« ist, dass Menschen aufgrund ihres Aussehens, ihrer Religion oder sexuellen Orientierung verfolgt, verhaftet und getötet werden, bin ich wieder ganz bei Bernd Quoß. Zu jammern passt nicht, denn »unseren« Normalzustand, den wir nach etwa einem Jahr Unterbrechung herbeisehnen, haben andere noch nie gehabt. 

Ja, man darf seinen Frust und Kummer aussprechen. Aber lasst uns nicht in diese »Wir gegen die«-Negativspirale geraten, sondern einander ermutigen und unterstützen. Weil es die Mühe am Ende wert ist. 

 

*aus dem Lied »Konfetti« von Enno Bunger

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Autor: Nicole Spöhr

Chefredaktion Hope Magazin

Artikel-Bildnachweis: archigram – gettyimages.de