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01.03.2022

Glaube auf dem Prüfstand

Von Igeln, Hasen und dem christlichen Osterfest

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Kennen Sie die Geschichte vom Hasen und dem Igel? Es ist eine alte Kindergeschichte aus dem Jahr 1840: Ein Hase macht sich über die kurzen Beine des Igels lustig. Darauf fordert dieser ihn zum Wettlauf heraus. Als das Rennen auf dem Acker beginnt, läuft der Igel nur ein paar Schritte, hat aber am Ende der Ackerfurche seine ihm zum Verwechseln ähnlich sehende Frau platziert. Als der siegesgewisse Hase heranstürmt, erhebt sich die Frau des Igels und ruft ihm zu: „Ich bin schon da!“ Dem Hasen ist die Niederlage unbegreiflich, er verlangt immer wieder eine Revanche, bis er erschöpft zusammenbricht.

Kindern soll diese Geschichte Mut machen: Auch Kleine können Sieger sein. Sie müssen nur Köpfchen haben. Ein Problem ist nur, dass hier auch massiv betrogen wurde. Vielleicht aber geht es um etwas ganz anderes.

Der Oster-Igel und die Eier

Ursprünglich brachte der Igel zu Ostern die Eier, doch im 17. Jahrhundert löste ihn der Hase ab und machte das Rennen. Könnte es sein, dass die Geschichte vom Wettlauf eine Rache des kleinen Igels ist?

Dabei haben Eier und Igel mit dem christlichen Osterfest gar nichts zu tun. Diese Tradition geht auf die sieben Wochen Fastenzeit vor Ostern zurück. Sie wurde von der Katholischen Kirche eingeführt, um nach Karneval an das 40-tägige Fasten von Jesus in der Wüste zu erinnern. Während dieser Zeit sollten sich die Gläubigen bestimmter Speisen (z. B. Fleisch und Eier) enthalten. 

Doch wohin mit den vielen Eiern, die täglich von den Hühnern gelegt wurden und überall im Garten herumlagen? Sollte man sie einfach den Igeln überlassen. Natürlich nicht!

Damals war es Aufgabe der Kinder, jeden Morgen die Eier zu suchen und einzusammeln. Um sie haltbar zu machen, wurden sie in den Wochen vor Ostern gekocht. Damit man sie von „jüngeren“ oder rohen Eiern unterscheiden konnte, färbten die Bauern sie ein. So hatte man schließlich am Ostersonntag eine großen Korb voll bunter Eier.

Christlich eingefärbte Traditionen

So wie die Eier wurden auch so manche heidnischen Traditionen und Gebräuche „eingefärbt“. Ostern war ursprünglich das Fest zu Ehren der Fruchtbarkeits- und Lichtgöttin Eostrae (vom Griechischen eos und dem Lateinischen aurora, die Morgenröte), so sagen manche Historiker. Daraus sei später „Ostara“ und schließlich „Ostern“ geworden. Weil Jesus Christus in dieser Zeit bei Sonnenaufgang (althochdeutsch „zu den ostarun“) von den Toten auferstanden ist, wurde dieses heidnische Fest christlich umgedeutet und erhielt damit seinen Namen.

Das keltisch-germanische Oster-Rad sowie das Osterfeuer standen für die Sonne, die im Frühling mit zunehmendem Licht und Wärme den Winter vertreibt und neues Leben ermöglicht. Doch die Kirche setzte dagegen: Nicht die Sonne vertreibt Tod und Kälte, sondern Jesus ist das Licht der Welt. Er bringt den Menschen das Leben zurück.

In Vergessenheit geraten

Genau darum geht es eigentlich zu Ostern – nicht um Frühling, Freizeit und Festessen. Es geht um den Tod und die Auferstehung von Jesus. Das haben viele Menschen trotz kirchlicher Feiern und Gottesdienste aus den Augen verloren.

Dass Jesus für die Sünden der Menschen gestorben ist, ist die Garantie dafür, dass Gott jedem seine Sünden vergeben hat, sodass er frei von aller Schuld ist. Er muss das nur glauben und diese Vergebung annehmen. 

Dass Jesus von den Toten auferstanden ist, ist die Garantie dafür, dass jeder am Ende der Welt von den Toten auferstehen wird, der ihn als Erlöser angenommen hat – zu einem ewigen Leben ohne Leid, Schmerzen und Tod.

Damit ist Ostern für Christen das wichtigste Fest im Jahr. Diese Feier wird jedoch in der Bibel nicht gefordert, denn schon bei jedem Abendmahl denken Christen an den Tod und die Auferstehung von Jesus (1. Korinther 11,23–26). Er ist derjenige, der ewiges Leben ermöglicht.

Das Leben feiern

Schokohasen, Nougateier, Osterglocken – die Supermärkte und Läden sind voll davon. Nach den nasskalten Wintertagen wird damit der Frühling gefeiert. Nun bricht überall das Leben auf. Das immer wieder aufs Neue erleben zu dürfen ist ein guter Grund zur Freude und Dankbarkeit.

 

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Autor: Siegfried Wittwer

Artikel-Bildnachweis: Rike_ – gettyimages.de