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30.05.2024

Kolumne

Ich will mich jetzt aber ärgern!

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Gerade habe ich wieder einen neuen Begriff gelernt: toxische Positivität. Wie bitte? Ja, genau. Es soll ein Trend sein, der vor allem auf den sozialen Medien viele unter Druck setzt: denke positiv um jeden Preis. Damit kannst du dein Leben zum Guten verändern. Du musst nur fest genug dran glauben und es dir vorstellen können, dann passiert es auch. Obwohl es im Kern vielleicht richtig sein mag, wird dieser Ansatz Menschen in Krisen nicht helfen. Wer im Hamsterrad von Job, Ehrenamt und anderen Verantwortungen zu Hause steckt, wer mit seiner mentalen oder physischen Gesundheit zu kämpfen hat, vielleicht sogar eine depressive Episode durchlebt, wird seine Situation nicht einfach durch positives Denken verbessern. Und wenn ich ehrlich bin, möchte ich manches Mal negativ denken und meinem Ärger Luft machen! Ich will meine Gedanken nicht immer gleich ins Positive lenken. Denn vielleicht verdrängt man dadurch manches Mal auch die Probleme, die tatsächlich mal thematisiert und bearbeitet werden müssten. 

Wer etwas für seine mentale Gesundheit tun möchte, dem sollte mehr einfallen, als nur positiv zu denken. Einige Faktoren für das eigene Wohlbefinden sind beispielsweise Achtsamkeit sich selbst gegenüber: ich achte mich mit meinen Bedürfnissen, nehme mich wichtig und nehme meine eigenen Grenzen wahr. Ich lerne, nein zu sagen und gestalte mein Leben aktiv. Der ganze Lebensstil: Schlaf, Ernährung, Bewegung. Eigentlich Dinge, die viele von uns wissen. Soziales Engagement und Sozialleben. Ich kümmere mich nicht nur um mich, sondern lenke meinen Blick auch mal auf andere. Ich habe Freunde und pflege einen Freundeskreis. Konflikten nicht ausweichen, sondern sie bewusst bearbeiten. Kreativität. Offen bleiben für Neues. Ruhezeiten: wann und wie nutzt du Auszeiten für dich? Achtest du darauf, einen freien Tag, z. B. den Sabbat, zu halten? 

Diese Faktoren sind so viel mehr als „nur“ positives Denken. Es sind konkrete Schritte, die jeder gehen kann. Und jetzt muss ich mich trotzdem kurz mal aufregen!

 

Autor: Jessica Kaufmann

wohnt am Rande der Lüneburger Heide, leitet einen Verlag und genießt die Abwechslung zwischen Beruf und Familienzeit.