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28.05.2021

Leben ohne Pornografie

Wege zu einer erfüllten Beziehung

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Das Internet. Überall und jederzeit verfügbar, bekommt man hier so ziemlich alles zu kaufen und zu sehen, was man will. Die Möglichkeiten scheinen grenzenlos, doch auch die Schattenseiten sind nur einen Mausklick entfernt. Safersurfing ist ein Verein, der auf Sucht fördernde Inhalte im Internet aufmerksam macht, über die Gefahren aufklärt und Hilfe bei Abhängigkeit anbietet. Einer ihrer Schwerpunkte ist Pornografie, denn immer mehr Menschen – Erwachsene und Jugendliche – geraten in diese Sucht, in Pornografieabhängigkeit. Obwohl die Zahlen bei beiden Geschlechtern stetig steigen, betrifft es Männer nach wie vor weit häufiger als Frauen. 

Was kann ich als PartnerIn tun?

Wenn sie vom Pornografiekonsum ihres Partners erfahren, sehen sich viele Frauen mit einem Gefühlschaos aus Entsetzen, Wut und Scham konfrontiert. Sie fühlen sich belogen, betrogen und in ihrer Identität verletzt. Hier lautet unser erster Rat: Bleiben Sie nicht allein, holen Sie sich Unterstützung von mindestens einer Person, der Sie wirklich vertrauen. Das Thema und alles, was es in Ihnen auslösen wird, ist zu groß, um damit allein zu bleiben. Aus unserer Sicht und Erfahrung ist es wichtig, jemanden auszuwählen, der objektiv bleiben kann und Ihren Partner nicht von vorneherein verurteilt. Gibt es in Ihrem Umfeld keine Person, der Sie genügend Vertrauen entgegenbringen? Dann zögern Sie nicht, professionelle Beratung in Anspruch zu nehmen: Seelsorger, Psychologen oder Psychotherapeuten können großartige Hilfe leisten.

Ich trage keine Schuld

Viele Frauen suchen die Schuld für den Pornokonsum des Partners bei sich selbst. Sie fragen sich, ob sie nicht schön, schlank oder gut genug sind oder einfach nicht oft genug Sex mit ihm haben. Solche Gedanken sind emotional enorm belastend und stehen jeder möglichen Lösung im Wege. Tatsache ist, dass Ihr Partner ein Lustproblem hat, für das er selbst die Verantwortung übernehmen muss. Ihr Partner ist verantwortlich für seine eigenen Entscheidungen. Bleiben Sie darüber hinaus bereit zum Gespräch und Austausch und vermeiden Sie es – wann immer es geht – eine verurteilende Rolle einzunehmen.

Vertrauen ja – Kontrolle nein

Herauszufinden, dass der eigene Partner Pornografie konsumiert, führt zu einem großen Vertrauensverlust und entzieht somit jeder Beziehung ihr Fundament. Diese Erschütterung kann dazu bewegen, die Kontrolle wieder zu erlangen und an sich reißen zu wollen, um so erneute Verletzungen zu vermeiden. Ein Blick auf den Internetverlauf, die Überwachung des Smartphones – der Wunsch nach Kontrolle scheint naheliegend und ist nachvollziehbar, doch steht er dem Wiederaufbau von Vertrauen geradezu im Wege. Gleichzeitig kann (freiwillige) Kontrolle von außen eine Stütze für den Betroffenen sein. Ein sogenannter Rechenschaftspartner kann unterstützen, begleiten und Objektivität vermitteln. Zerstörtes Vertrauen will wiederaufgebaut werden. Dies verlangt nach der ehrlichen Bereitschaft beider, den Weg der Versöhnung zu gehen und der stetigen Bemühung des Betroffenen zu zeigen, dass er auf dem Weg ist, seine Abhängigkeit dauerhaft hinter sich zu lassen.

Paartherapie – Geht’s auch ohne?

»So schlimm ist es gar nicht!«, ist oft die Begründung für Untätigkeit. Doch Konflikte in der Paarbeziehung kosten Energie und sind enorm belastend. Passende Literatur oder Gespräche mit befreundeten Paaren können helfen. Doch wenn das Paar trotz allem nicht die gewünschte Besserung erlebt, dann ist eine Paarberatung oder Therapie ein wertvolles Werkzeug. Gespräche mit einem unparteiischen Außenstehenden, der darin geschult ist, Konflikte konstruktiv zu bearbeiten, können nützliche Methoden und Blickwinkel aufzeigen, die ein Paar gestärkt aus einem Konflikt heraustreten lassen. Seien Sie daher ermutigt, Zeit und auch finanzielle Mittel in diese Chance zu investieren, denn es geht um Ihre persönliche Lebensqualität und die Qualität Ihrer Beziehung. Nicht selten treten neben dem Porno-Thema weitere Dinge zutage, die bearbeitet werden wollen.

Den Partner unterstützen

Ist die Entscheidung gefallen, der Beziehung, Ehe oder auch Familie eine zweite Chance geben zu wollen, gibt es mehrere Wege, den Partner zu unterstützen:

  • Die eigenen Kraftreserven wieder auffüllen. Erst dann werden Sie in der Lage und Verfassung sein, auch Kraft für Ihren Partner und seinen Kampf aufzubringen.
  • Geduld mit sich selbst und mit dem Partner. Was sich über Jahre angebahnt und aufgebaut hat, wird nicht innerhalb von Tagen aus der Welt sein. Der Weg kann sich hinziehen und sich immer wieder als Berg- und Talfahrt gestalten. 
  • Grenzen definieren, Konsequenzen aussprechen. Ist Ihr Partner nicht bereit dazu, gemeinsam abgestimmte Grenzen einzuhalten oder notwendige Schritte zu setzen? Dann sind unter Umständen sinnvolle Konsequenzen zu setzen, um sich selbst zu schützen.
  • Im Gespräch ruhig und sachlich, aber bestimmt bleiben. Vom Du zum Ich! Trotz eines verständlicherweise emotional aufgeladenen Ambientes, sollte darauf geachtet werden, das Gesprächsklima ruhig und klar zu halten.
  • Den Kontakt zu vertrauenswürdigen Menschen suchen. Ein Umfeld, das stark parteiergreifend reagiert oder Ihren Partner verurteilt, wird keine Hilfe oder Unterstützung für Sie sein können.
  • Rückschläge erwarten, aber Standhaftigkeit und kleine Siege feiern. Alte Gewohnheiten abzulegen ist schwer und Rückschläge wahrscheinlich. Lassen Sie es sich also nicht nehmen, auch kleinste Schritte und Erfolge gebührend wertzuschätzen!
  • Selbstreflexion und Kommunikation üben, Gefahren meiden. Kann unsere Krise Ausgangspunkt für eine qualitativ hochwertigere Beziehung sein? Wo können wir an festgefahrenen Gesprächsmustern arbeiten? Wo ist Selbstreflexion oder auch ein Loslassen von Altlasten notwendig?
  • Vergebung wagen. Dieser letzte, wichtige Schritt ist erst dann möglich, wenn Sie selbst dazu bereit sind. Er kann weder erzwungen noch auferlegt werden. Wenn Sie soweit sind, werden Sie Ihrem Partner vergeben, sprich, ihm sein Verhalten weder in Gedanken noch Worten weiter vorwerfen. Ist Ihnen dies gelungen, können in der Folge Selbstheilung und Vertrauen in Angriff genommen und für sie beide wieder möglich werden.

Symptome einer Sucht – am Beispiel Internetsucht*: 

1.    Ich brauche immer mehr Zeit fürs Internet.

2.    Ich kann die Zeit für das Internet nicht kontrollieren.

3.    Ich werde reizbar ohne Internet.

4.    Ich fliehe mit dem Internet vor den Problemen.

5.    Ich belüge Freunde und Familie bzgl. meines Internetkonsums.

6.    Ich habe Beziehungen oder Arbeitsmöglichkeiten wegen des Internetkonsums gefährdet.

7.    Ich würde auch für Gebühren ins Internet gehen.

8.    Ich kenne Entzugserscheinungen.

9.    Ich bleibe länger online, als ich mir vorgenommen habe.

    * (übertragen nach ICD 10/DSM IV

Autor: Barbara Hribar & Katharina Marschall

"Love Is More" ist Teil des Vereins "Safersurfing" mit dem Ziel, Kinder, Jugendliche und Erwachsene vor Sucht fördernden Inhalten im Internet zu schützen. Unsere Mission ist es, auf die Gefahren von Pornografie hinzuweisen sowie Abhängigen und ihren Partner/-innen Unterstützung anzubieten. Dazu bieten wir Hilfestellung in Form von Beratungsstellen und Selbsthilfegruppen in allen deutschsprachigen Ländern für Betrofene und ihre Partner/-innen an. Kontaktadressen sowie alle weiteren Informationen finden Sie auf unserer Website www.safersurfing.org/loveismore oder wenden Sie sich an uns per E-Mail unter safer@safersurfing.org.