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01.09.2022

Petrus und die Harfenspieler

Himmlische Vorstellungen

Bild zum aktuellen Blog-Eintrag

 

Seltsam, was manche Menschen so glauben. Da streichelt und küsst eine ältere Frau im Petersdom den rechten Fuß der bronzenen Petrus-Statue. Als sie gefragt wird, warum sie dies tut, antwortet sie: „Wenn ich eines Tages gestorben bin, und ich komme an das Himmelstor, dann werde ich Petrus sagen, dass er mich in den Himmel lassen muss, weil ich ihm hier auf der Erde seine Füße geküsst und gestreichelt habe.“

Diese Überzeugung teilt sie mit Tausenden von Menschen. Kein Wunder, dass der Fuß erneuert werden musste, weil er im Laufe der Jahrhunderte durch die Pilger stark abgenutzt worden war. Als Himmelspförtner soll Petrus dafür verantwortlich sein, wer in den Himmel darf und wer nicht. Außerdem lässt er es blitzen und krachen, öffnet oder schließt die himmlischen Schleusen und sorgt so für Sonnenschein und Regen. Doch von alledem steht nichts in der Bibel.

Mit der Harfe auf Wolke 7

Fragt man jemanden auf der Straße, was Christen im Himmel machen, kommt mit einem Lächeln prompt die Antwort: Auf einer Wolke sitzen und Harfe spielen. Dieses Bild soll wohl zeigen, wie unattraktiv ein ewiges Leben im Himmel ist. Mit Harfe, Halleluja und Heiligenschein soll man die Ewigkeit verbringen? Wie langweilig. Darauf kann man doch getrost verzichten.

Hat Gott nichts Besseres anzubieten als endlose Hosianna-Gesänge und weiße Gewänder? Doch das hat er! Warum wird dann darüber in den Kirchen nichts erzählt? Ganz einfach: Weil Pastoren davon keine Ahnung haben. Und wenn die schon nicht wissen, wie das ewige Leben im Himmel aussieht, wie sollen dies ihre Schäfchen dann verstehen? Geschweige denn, dass es außerhalb der Kirchenmauern Gehör findet.

Unvorstellbar

Damit keine Missverständnisse aufkommen, Pastoren haben jahrelang Theologie studiert und kennen sich natürlich in der Bibel aus. Doch dort steht nicht viel darüber geschrieben, wie es im Himmel aussieht. Eben deshalb können auch Pastoren nur wenig darüber aussagen.

Paulus, einer der großen Theologen der ersten Christen, schrieb an die Gemeinde in Korinth: „Was kein Auge gesehen hat und kein Ohr gehört hat und in keines Menschen Herz gekommen ist, was Gott bereitet hat denen, die ihn lieben“ (1. Korinther 2,9).

Wie es im Himmel ist oder wie das ewige Leben aussieht, können wir uns also nicht ausmalen. Zwar schreibt Paulus im nächsten Vers: „Uns aber hat es Gott offenbart ...“, doch leider hat der Apostel diese Offenbarungen nicht niedergeschrieben, warum auch immer. Vielleicht, weil wir uns trotz aller menschlichen Beschreibungen immer noch kein Bild davon machen können, wie das ewige Leben tatsächlich sein wird.

Gottes Problem

Das ist Gottes Problem mit uns Menschen: Wie kann man jemandem etwas erklären, das er sich nicht vorstellen oder verstehen kann?! Viele müssen ja schon passen, wenn man ihnen die höhere Mathematik erklärt. Aber nehmen wir ein einfaches Beispiel.

Wenn in der Bibel stände: „Im Himmel wirst du die schönsten Melodien auf dem Klavier spielen können“, dann hätten die Menschen vor dem 18. Jahrhundert nichts verstanden, denn erst 1709 erfand der Italiener Bartolomeo Cristofori dieses Instrument. Genauso verhält es sich mit allen Schilderungen des ewigen Lebens im Himmel und später auf der neuen Erde.

Sie haben richtig gelesen. Der Himmel ist nur eine Durchgangsstation, bis Gott eine neue Erde für die Gläubigen geschaffen hat. Aber das ist ein anderes Thema.

Bildersprache

Der Prophet Jesaja schildert den neuen Himmel und die neue Erde mit Bildern, die die Menschen damals aus ihrer Lebenssituation heraus leicht verstehen konnten (Jesaja 65,17–25). Heute würde der Prophet sicherlich andere Bilder verwenden. Aber zusammenfassend können wir sagen: Die Menschen werden endlich unbeschwert und sorglos leben, und das in einer Welt, die alle Urlaubsparadiese vergessen lässt. Alles, was hier belastet oder Angst macht, wird es dort nicht geben. Im Gegenteil, endlich werden alle das tun können, was ihnen die größte Freude macht. In der Offenbarung greift der Apostel Johannes diese Schilderung auf und ergänzt sie mit weiteren Bildern (Offb 21). Besonders wichtig ist ihm der Satz: „Siehe, die Wohnung Gottes ist nun bei den Menschen! Er wird bei ihnen wohnen und sie werden sein Volk sein und Gott selbst wird bei ihnen sein“ (Vers 3 Hoffnung für Alle). 

Wohngemeinschaft

Gott und Menschen werden zusammen wohnen, denn Gott ist Liebe. Wenn wir erfahren, wie sehr wir geliebt werden, dann blühen wir auf. Dann möchten wir für immer mit dem anderen zusammen sein, denn Liebe macht glücklich. Mit Jesus Christus und dem Gott der Liebe zusammen zu wohnen, wird unendlich glücklich machen. Tränen, Tod und Trauer sind damit ein für alle Mal vorbei. „Die alte Welt mit ihrem ganzen Unheil ist für immer vergangen“, schreibt Johannes, denn Gott macht alles neu (Vers 4 Hoffnung für Alle).

Vergessen wir also all die Versuche, das ewige Leben auf der neuen Erde als langweilig und eintönig darzustellen. Es wird vielmehr unvorstellbar schön sein – so schön, dass jeder Mensch davon gepackt würde, wenn er jetzt schon einen kurzen Blick in diese neue Welt werfen könnte.

Bild vom Autor zum Weblog Petrus und die Harfenspieler

Autor: Siegfried Wittwer

Pastor und Autor zahlreicher Bücher/Artikel