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28.03.2020

Sonnenlicht – ein Elixier für die Seele

Wie die Sonne uns positiv beeinflusst

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Eine unnatürliche Lebensweise 

Dr. med. Eckardt von Hirschhausen schreibt in seinem Bestseller »Glück kommt selten allein« folgende Zeilen: »Der moderne Mensch verbringt weniger als fünf Prozent seiner wachen Zeit unter freiem Himmel. Schlafend noch weniger. Wir wachen auf unter einem Dach, setzen uns in der Garage unter ein Dach auf Rädern, um, ohne einen Sonnenstrahl abzubekommen, an unseren überdachten Arbeitsplatz zu gelangen. Haben wir Angst, dass uns der Himmel auf den Kopf fällt? Der Preis für unsere Stubenhockerei ist hoch: Uns fällt ständig die Decke auf den Kopf. Und wenn wir im Dunkeln nach Hause kommen, wundern wir uns, dass wir schlecht drauf sind.« 

Wir moderne Menschen leben hochgradig unnatürlich. Unser Lebensstil ist riskant! Wir haben das natürliche Sonnenlicht aus unserem Leben verbannt. Büroarbeit, neonbeleuchtete Fitnesscenter oder lange Autofahrten sind nur einige Beispiele, die symptomatisch für diesen Lebensstil ohne Sonnenlicht sind. 

 

Wenn dem Gehirn das Sonnenlicht fehlt 

Der renommierte russische Schriftsteller Fjodor Dostojewski schrieb: »Es ist doch erstaunlich, was ein einziger Sonnenstrahl mit der Seele des Menschen machen kann.« Er wusste, wovon er sprach, da er neben seiner Spielsucht auch unter Depressionen litt. Typische psychische Beschwerden einer klinischen Depression sind Niedergeschlagenheit, ausgeprägte Freudlosigkeit, Interesselosigkeit, Müdigkeit, Energielosigkeit, verminderte Aufmerksamkeit, Konzentrationsstörungen, Unschlüssigkeit, Verlangsamung, Mutlosigkeit, Ratlosigkeit, Hilflosigkeit, Hoffnungslosigkeit, Reizbarkeit und Aggressivität. Zermürbend sind ebenfalls das Grübeln (negatives Gedankenkreisen), auftretende Schuldgefühle (begründet oder auch unbegründet) und die innere Leere. Körperlich können Gewichtsverlust oder Gewichtszunahme, Magen-Darm-Beschwerden, Kopfschmerzen und muskuläre Verspannungen auftreten. Ein Mangel an Sonnenlicht kann sich auch in einer sogenannten saisonal abhängigen Depression (SAD) niederschlagen. Sie ist auch als Winter- oder Lichtmangeldepression bekannt. 

 

Schlaf, Sonnenlicht und das Erinnerungsvermögen 

Während des Schlafs werden Erinnerungen aus dem vorangegangenen Tag gefestigt oder gelöscht. Sonnenlicht fördert das Denk- und Erinnerungsvermögen. Wer in dunklen Wohnungen haust und ohne Licht lebt, wird geistig kaum etwas zustande bringen. Damit unser Gehirn Informationen besser abspeichern kann, benötigt es Sonnenlicht. Bekannt ist, dass der Literatur-Nobelpreisträger George Bernard Shaw seine Werke in einer Gartenlaube schrieb, mit viel Tageslicht. Shaw meinte, dass er Licht zum Denken brauche wie die Luft zum Atmen. Friedrich Schiller benötigte ebenfalls die Morgensonne zum Arbeiten. Sein Schreibtisch in seinem Weimarer Haus stand an einem Fenster, das nach Osten ausgerichtet war und viel Morgenlicht zuließ. 

 

Das Sonnenlicht wieder in den Alltag einladen 

Arnold Rikli schrieb: »Wasser wirkt Wunder, Luft vermag noch mehr, am wirksamsten aber ist das Licht.« Um die Sonne wieder in den Alltag einzuladen, sind folgende Schritte zu empfehlen: 

a) Kurze Sonnenbäder 

Wir alle brauchen das Sonnenlicht, um gesund zu bleiben und uns wohlzufühlen. Sie sollten jede Gelegenheit wahrnehmen, um ein kurzes, wohldosiertes Sonnenbad zu nehmen (mittags 10 bis 20 Minuten). Langes Sonnenbaden und Sonnenbrände auf der Haut sollten absolut vermieden werden. Ein solches Verhalten kann das Hautkrebsrisiko erheblich steigern. Andererseits gehören regelmäßige kurze Sonnenbäder zur Kunst, alt zu werden und dabei jung zu bleiben. 

b) Schlafhygiene 

Um die Schlafstörungen zu vermindern, sind regelmäßige Schlafzeiten, eine schlaffördernde Umgebung (kühl, dunkel), bequemes Liegen, regelmäßige körperliche Aktivitäten, die Vermeidung von Drogen (Alkohol, Nikotin, Koffein) und Entspannungsübungen vonnöten. Lassen Sie abends möglichst den Fernseher oder den Computer ausgeschaltet. Lesen Sie stattdessen ein Buch oder hören Sie Musik. Stehen Sie regelmäßig mit dem ersten Tageslicht auf, um die psychische Widerstandkraft zu steigern und der Entwicklung von psychischen Störungen mithilfe des Sonnenlichts entgegenzuwirken. 

c) Regelmäßige Bewegung 

Halten Sie sich möglichst viel an der frischen Luft auf (auch bei Wolken, Nebel und Regen) und setzen Sie sich dem Sonnenlicht (vor allem dem Morgenlicht) wohldosiert aus. Dazu kann ein täglicher Spaziergang am Vormittag oder über den Mittag dienen. Denn regelmäßige Bewegung an der frischen Luft ist für das körperliche und seelische Wohlbefinden ebenso notwendig wie das Sonnenlicht. 

d) Beziehungspflege 

Zu guter Letzt: Pflegen Sie Ihre Beziehungen. Es sind die gesunden Beziehungen zu Ihren Freunden, Bekannten und Familienangehörigen, die die Sonne in Ihrem Herzen zum Strahlen bringen. Kaum ein anderes Mittel ist so hilfreich. Schon vor über zweitausend Jahren schrieb der römische Philosoph Cicero, dass diejenigen, die die Freundschaft aus ihrem Leben entfernen, die Sonne aus der Welt schaffen. Wenn Sie keine Sonne mehr sehen und Ihnen nichts aus der Umnachtung heraushilft, brauchen Sie jemanden von außen, der Ihnen beisteht, um wieder klar zu sehen. Die Beziehungspflege hat eine unumstrittene nachhaltige Wirkung auf die seelische Gesundheit. Sie steigert das psychische Wohlbefinden und führt zu mehr psychischer Widerstandskraft in Krisenzeiten. 

 

Fazit 

Das Sonnenlicht dient unserer Gesundheit und unserem Wohlbefinden. Es führt zu mehr Tatkraft, Lebensfreude und geistiger Frische. Es verbessert die körperliche Verfassung und trägt maßgeblich zur Verhütung und Heilung von zahlreichen körperlichen und psychischen Erkrankungen bei. Es ist ein bedeutsames Elixier für die Seele.

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Autor: Robert Pfandl

- arbeitet als Psychotherapeut im Ambulatorium Bern der Klinik SGM (Stiftung für ganzheitliche Medizin) Langenthal. Es ist ihm ein Anliegen, Menschen in Not zu helfen und sie in ihrer persönlichen Entwicklung zu unterstützen.