Artikel zu Themen

29.11.2019

Wider das Vergessen

Ein Besuch im Holocaust-Museum

Bild zum aktuellen Blog-Eintrag

 

Im Sommerurlaub besuchte ich mit meiner Frau das Holocaust-Museum in Washington D. C. Aus meiner Schulzeit war mir das meiste bereits bekannt. Ja, wir hatten in der Schule mehrmals ausgiebig den 2. Weltkrieg und den damit verbundenen Massenmord an Juden thematisiert, auch zahlreiche Dokus angeschaut. Ja, ich habe an einer Exkursion in das Konzentrationslager Mauthausen teilgenommen. Ja, ich war sogar schon beim Mahnmal in Berlin. Und ja, ich habe den kürzlich in Salzburg verstorbenen Marko Feingold, der drei KZs überlebt hat, persönlich getroffen. Habe ich alles durch. Vermutlich wurden Sie ähnlich intensiv mit dem Thema konfrontiert. 

Aber jetzt reicht’s dann langsam auch, oder? Offenbar nicht: Es ist unfassbar, dass es heute noch – oder wieder – Menschen gibt, die trotz aller realen Fakten den Holocaust leugnen oder judenfeindliche Gedanken hegen, und sogar zu einem Attentat in einer Synagoge, wie kürzlich in Halle geschehen, fähig sind. Offenbar dürfen wir nach wie vor nicht müde werden, über den Holocaust zu sprechen, Antisemitismus zu thematisieren, die Absurdität und Schrecklichkeit eines solchen Gedankenguts hervorzuheben. Ich erinnere mich an »Onkel Adi« (sein Vorname war tatsächlich Adolf), einen Freund der Familie, der mir als Kind stolz seinen Wehrmachtsausweis zeigte und seine hervorragende Eignung für den Militärdienst unterstrich. »Onkel Adi« leugnete bis ins Grab die Existenz von Konzentrationslagern. Ich wiederhole mich: Wir dürfen gegenwärtig und auch zukünftig nicht müde werden, über diese Vergangenheit zu sprechen. Der österreichische Kanzler Bruno Kreisky (1911 – 1990) hat einen Satz geprägt, mit dem er einen Journalisten in Bezug auf die 30er Jahre maßregelte: »Lernen S′ a bisserl Geschichte!« Ich würde das noch verdeutlichen: Lernen wir aus der Geschichte! 

Das Beeindruckendste am Holocaust-Museum war die Möglichkeit, direkt vor Ort mit Überlebenden sprechen zu können. Das wird mir unvergessen bleiben. Und darum geht’s: Nicht vergessen und aus der Vergangenheit lernen. Aber auch proaktiv auf der Hut sein. Melden wir uns zu Wort, wenn andere Gefahr laufen, aus Unwissenheit oder Dummheit, Fehler zu wiederholen! Denken Sie an Ihr Umfeld! Wo haben Sie menschenverachtende, rechtsradikale oder rassistische Tendenzen wahrgenommen? Wie haben Sie darauf reagiert? Wie möchten Sie zukünftig, im kommenden Jahr, am besten schon ab heute, auf Derartiges reagieren?

Bild vom Autor zum Weblog Wider das Vergessen

Autor: René Walter

René Walter hat Kommunikationswissenschaft und Theologie studiert und ist beim Hope Channel im Bereich Öffentlichkeitsarbeit tätig.