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28.11.2018

Dem Anfang entgegen

Auf die Sicht kommt es an

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DIE EINEN FREUEN SICH ÜBER DEN ANFANG, die andern über das Ende einer Sache. So wird auch Weihnachten mit recht gemischten Gefühlen erlebt. Die einen können das Fest kaum erwarten, die anderen freuen sich, wenn es endlich vorbei ist, obwohl es noch gar nicht begonnen hat. Das soll einer verstehen. 
Eine Geburt ist doch etwas wunderschönes. Leben wird schon sehnlichst erwartet, und nun endlich der erste kurze Schrei, die überglückliche Mutter, die ihr wunderschönes Kind an sich drückt und nie mehr hergeben möchte. Der Vater, der es kaum erwarten kann, seinen kleinen Jungen in dem neuen, tollen Kinderwagen stolz spazieren zu fahren und … Ach, die Liste ist endlos. 
Man kann es aber auch anders sehen. Die beschwerliche Schwangerschaft mit Übelkeit und Verzicht, die schmerzvolle Geburt, das wohl eher verknautschte Baby und die Perspektive, dass sich nun das Leben völlig verändert und sich alles nach dem Nachwuchs richten muss. Die Kosten, der Ärger in der Erziehung und schließlich die Undankbarkeit des Teenagers – ach, die Liste ist endlos.

AUS WELCHER PERSPEKTIVE
Es gibt wohl kaum ein Thema, das man nicht von zwei Seiten betrachten kann. Für fast jeden Bereich kann man gute, aber auch weniger gute Dinge aufzählen. Es ist nun mal Tatsache, dass es immer mindestens zwei Seiten gibt, ob es uns passt oder nicht. Dabei können wir zu Schwarzsehern oder zu Menschen werden, die alles durch eine rosarote Brille sehen. 
Auch das Thema Weihnachten ist ein recht gutes Beispiel. Schon die Geburt von Jesus machte die unterschiedliche Sichtweise sehr deutlich. Die Weisen freuten sich und ihnen war kein Weg zu weit, um den Neugeborenen zu beschenken. Für König Herodes war dieses Kind eine Bedrohung, und er schreckte vor nichts zurück, um es zu beseitigen. Das war ja ein toller Anfang. Schon die Herbergssuche in Bethlehem war alles andere als romantisch, und die Flucht nach Ägypten war auch nicht geplant.

HEILAND UND ÄRGERNIS
Auch als Jesus später unter den Menschen wirkte, gab es die gleichen Reaktionen. Die einen wurden sehend und lebendig – im wahrsten Sinne des Wortes. Die anderen beschworen Tod und Teufel, um seinem Leben ein Ende zu setzen. Und die Mehrheit der Menschen? Sie waren hin- und hergerissen. Einerseits fühlten sie sich von seinen Worten und der Lehre angezogen, aber dann waren sie doch wieder irritiert, weil selbst ihre unrechten Gedanken vor ihm nicht sicher waren. Am liebsten wäre es ihnen gewesen, wenn Jesus das gesagt hätte, was ihren Wünschen und Vorlieben entsprach. 

UND HEUTE?
Heute ist es nicht anders oder vielleicht sogar noch komplizierter. Wir freuen uns (nein, nicht alle) über das Fest und genießen diese Tage. Es wird feierlich geschmückt, gut gekocht, die Familien und Freunde kommen zusammen und genießen einfach die besondere Zeit. Das ist gut so. Bei einem Geburtsfest sind alle Schmerzen vergessen und man darf besonders auf die schönen Dinge sehen.
Dass es nicht bei den Babylauten des kleinen Jesus blieb, sondern er später die wichtigsten und wertvollsten Worte sprach, vergisst man all zu leicht. Jesus war auch nicht irgendein Baby, sondern tatsächlich, wie Herodes befürchtet hatte, ein König, der alles Bisherige überstrahlte. Sein Aussehen war nicht viel anders als das der Anderen, aber hinter seinem anziehenden menschlichen Wesen steckte weit mehr, als viele ahnten oder wahrhaben wollten. Jesus Christus, der Sohn Gottes – auch heute noch für manche Grund zum Zorn, aber für andere ist er das Leben.
Auch wenn das irdische Leben von Jesus einen andern Verlauf genommen hat, als seine engsten Vertrauten sich das vorgestellt haben, ist er doch der Beginn eines neuen Lebens für den Menschen, der ihn an seinem Herzen wirken lässt. Advent bedeutet Ankunft . Das hat die Welt erlebt und sie wird es ein weiteres Mal erleben. Das hat Jesus versprochen. Auch wenn wir immer schwierigeren Zeiten entgegen gehen, nähern wir uns einem neuen Anfang. Diese Sicht dürfen wir uns bewahren und besonders auch zur Weihnachtszeit betonen.

Bild vom Autor zum Weblog Dem Anfang entgegen

Autor: Pierre Intering

Chefredakteur des Hope Magazins

Bildnachweis: Simon English – unsplash