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28.11.2018

Interview mit Claudia Wörner

Wut und Trauer haben ihr Leben bestimmt, und Hassgefühle sind immer stärker geworden. Dann hat Claudia Wörner durch eine Einladung in ihrem Briefkasten neue Freunde gefunden, und Gott veränderte ihr Leben.

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Im Gespräch mit Gabi Pratz.

Du hast eine schwierige Zeit in deiner Familie erlebt, was ist damals passiert?

Mein Mann hat mich wegen einer anderen Frau verlassen. Wir sind zwar vorher auch nicht besonders glücklich gewesen, aber das hat mich tief getroffen. Ich habe sogar gemeinsam mit ihm zwei Therapien wegen seiner Alkoholerkrankung durchgestanden. Und dann die Scheidung. Ich bin mir wie weggeworfen vorgekommen. Das Gefühl der Wertlosigkeit hat sich in mir breit gemacht, und starke Hassgefühle haben mich beherrscht. Deswegen bin ich oft in der Nacht wach gelegen. In dieser für mich schlimmen Zeit habe ich ja auch noch die Verantwortung für unsere beiden Kinder gehabt. Die Frage, wie ich es meinem Mann heimzahlen und mich rächen könne, hat mich oft beschäftigt.

Was hat dieser Hass in deinem Leben bewirkt?

Ich habe lange nicht gemerkt, wie der Hass und die Rachegefühle mich bitter gemacht haben. Es hat mich immer weiter hineingezogen in diese Bitterkeit, bis ich keine Freude mehr gespürt habe. Von anderen Menschen habe ich mich damals stark zurückgezogen, auch weil ich mich wertlos gefühlt habe: Was sollen die mit einer traurigen Frau wie mir anfangen? In mir habe ich nur noch Leere und Sorge um die Zukunft gespürt. Zu der Zeit habe ich dann eine Depression bekommen. Ich habe mir nichts mehr zugetraut und Angst, etwas falsch zu machen, hat sich in mir breitgemacht. Selbst bei den einfachsten Dingen. Ich habe mich total wertlos gefühlt und auch darüber nachgedacht, mein Leben zu beenden.

Ist Gott für dich in dieser Zeit greifbar gewesen?

Nur stellenweise. Eines Tages habe ich die Bibel aufgeschlagen und den Text gelesen: Der Herr sagt, die Rache
ist mein ... Das ist für mich ein Aha-Erlebnis gewesen: Ich muss mich nicht rächen und kann die Sache vor Gott bringen. Es hat eine ganze Weile gebraucht, aber irgendwann habe ich die Rachegedanken losgelassen und an Gott abgegeben.

Wie bist du aus der Depression herausgekommen?

Ich bin auf einer stationären Reha in einem christlichen Haus gewesen. Dort habe ich mich zunächst auch als wenig wertvoll gefühlt. Im Laufe der Zeit sind auf der Reha gute Beziehungen mit anderen Menschen entstanden, ich habe wieder Freude beim Geben und Nehmen empfunden. Von dort habe ich auch das Bild von der Raupe und dem Schmetterling mitgenommen. Gott verändert mich Stück für Stück, und ich erlebe diese Entwicklung als etwas sehr Schönes.

Wie spürst du das in deinem Leben?

Eines Tages habe ich eine Einladung zu Themenabenden in einer Kirchengemeinde in meinem Briefkasten gefunden. Aus Neugierde bin ich hingegangen und habe dort viele gute Impulse für mich mitgenommen. Auch die Diskussionen haben mich bereichert. Inzwischen habe ich die Familie kennen gelernt, die mir die Einladung in den Briefkasten geworfen hat, und wir sind gute Freunde geworden.

Heute kann ich sagen, Gott hat mich verändert. Damit meine ich meine Beziehung zu ihm, zu mir selbst und zu anderen Menschen. Meine Hassgefühle sind weg, ich habe mehr Mut auch in neuen Situationen. Mein Leben mit Gott finde ich total spannend und schön. Und Gott verändert auch meine Gedanken und meine Sicht in Bezug auf
andere Menschen: Ich möchte ihnen heute mit der Liebe Gottes begegnen.

Vielen Dank für das Gespräch.