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17.04.2018

Pleiten, Pech und Pannen

Über moderne Medienkultur

Wer hat sie noch nicht gesehen – die Videoausschnitte, die manchmal mehr, manchmal weniger lustige oder misslungene Aktionen zeigen. Bei manchen erinnert man sich an ähnliche Situationen, die man selbst erlebt hat. Bei anderen Szenen muss man einen schon etwas merkwürdigen Humor aufbringen, um das alles unterhaltsam zu finden. Wenn Menschen mit dem Gesicht auf den Asphalt klatschen oder sonstige recht schmerzvolle Erfahrungen machen, ist das nicht mehr ganz so lustig. Ich brauche nur daran zu denken, wie ein kleines Kind mit dem Fahrrad stürzt. Ich bekomme gleich ganz komische Gefühle in der Magengegend, und der Puls schlägt gleich schneller. Nein, Schmerzen sind nicht lustig, und trotzdem schaut man hin. Wenn man dabei schon nicht lacht, entkommt einem zumindest ein "Oh, nein" oder so etwas Ähnliches, und man schaut weiter. Vielleicht ist man froh, dass es einem nicht selbst passiert ist, es letztendlich doch noch gut ausgegangen ist oder die Schmerzen verheilt sind? Sonst wäre ja das Video nicht veröffentlicht worden, oder?

Mit echtem, lang anhaltendem, endgültigem Leid geht man ja viel diskreter um. Dachte ich. Nein, diese Zeiten sind auch schon vorbei. Nicht nur in Spielfilmen, sondern auch in der Realität werden die brutalsten Dinge anderen vorgeführt und versetzen die Menschen in Angst und Schrecken.

Auf der einen Seite ist es gut, dass wir die Freiheit besitzen, das zu sagen, zu schreiben und zu zeigen, was uns wichtig ist. Auf der anderen Seite finde ich es extrem schädlich, dass die Medienkanäle immer mehr zu einem Fenster für die Gewalttätigkeit und Abgründe des Menschen gemacht werden. Regulieren wird sich das wohl nicht lassen, weil man sonst fast alles sperren und immer mehr Zwang und absolute Kontrolle ausüben müsste. Das wollen wir auch wieder nicht. Letztlich liegt die Verantwortung nicht am Sender, sondern am Empfänger. Wenn ich etwas nicht sehen und hören will, kann mich keiner dazu zwingen. Diese Selbstkontrolle wird immer wichtiger und muss schon dem recht jungen Herzen nahegelegt werden. Man hat sicher nicht auf alles Einfluss, aber doch auf sehr vieles.

Es genügt zu wissen, was ein gefährlicher Sumpf ist, wo es ihn gibt und welche Gefahren damit verbunden sind. Wir müssen uns aber ganz sicher nicht freiwillig hineinbegeben, um selbst die Erfahrung des Versinkens zu machen. Glücklicherweise gibt es Menschen, die sich in diese Gefahr begeben, um andere zu retten. Das ist gut, wichtig und notwendig. Aber allen, die sich aus Neugierde oder aus einer gewissen Schaulust heraus mit den Katastrophen anderer beschäftigen, sei der Blick auf die satten, grünen Wiesen empfohlen. Die gibt es nämlich auch, und sie tun uns gut, machen uns keine Angst und schenken friedvolle Begegnungen.

Autor: Pierre Intering