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16.04.2019

Ruhe bewahren

Über eine unruhige Gesellschaft und eine gewisse Zukunft

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Im sogenannten "Kommunikationszeitalter" versuchen viele, so recht und schlecht mit der tagtäglichen Informationsflut zurande zu kommen.

Es werden nicht nur die Ereignisse in den schillerndsten Farben für den Leser aufbereitet, sondern gleichzeitig über unzählige Richtungen gemutmaßt, in die es nun weitergehen könnte/sollte/müsste. Dies ist dermaßen vielfältig, dass jeder, der Entscheidungen zu treffen hat, mit umfangreicher Kritik zu rechnen hat, weil es inzwischen so viele "informierte Experten" gibt, die die richtigen Antworten auf die unzähligen Fragen zu haben scheinen:

Scheitert die EU, und wäre das besser für die einzelnen Länder? Sollen wir zur alten Währung zurückgehen? Stehen wir vor einer neuen Wirtschafts- oder Eurokrise, oder wird es nun langsam bergauf gehen? Lebt der Nationalismus wieder auf, und wird die Freiheit wieder eingeschränkt? Wohin führt uns das derzeitige Chaos? Hat uns jetzt die Technik Fortschritte gebracht, die allen nützen, oder sind wir nur ihre Sklaven geworden? Machen uns jetzt die Medien blöd oder intelligenter? Bilden oder manipulieren sie? Was soll man wirklich über die gleichgeschlechtlichen Ehen denken, und soll man ihnen dieselben Rechte wie der klassischen Ehe einräumen? Soll man überhaupt noch einen Unterschied zwischen den Geschlechtern machen? Ist die Klimaveränderung tatsächlich so dramatisch, oder steckt da nur ein Riesengeschäft dahinter? Soll man sich in den nahöstlichen Konflikt einmischen oder es den islamischen Ländern selbst überlassen, ihre Probleme zu lösen? Was ist wirklich vom jetzigen Papst zu halten? Kann er wirklich etwas bewegen und soll er in Zukunft eine größere Rolle spielen? Tut überhaupt die Religion der Gesellschaft gut oder hemmt sie eher den Fortschritt? Was ist von der Rolle Amerikas zu halten? Sollen sich die USA weiter in die Weltpolitik einmischen oder sich lieber nur um ihre eigenen Angelegenheiten kümmern? Ist Russland wirklich so böse, oder ist das nur eine Propaganda des Westens? Stehen wir kurz vor einem neuen Weltkrieg, oder sind die Drohgebärden nicht so ernst zu nehmen? Tun wir jetzt zu viel für Asylanten bzw. Flüchtlinge oder zu wenig? Wer macht die bessere Politik: die Roten, die Schwarzen, die Blauen, die Grünen oder doch eine von den Kleinparteien, oder sind sowieso alle zum Vergessen? ... Fragen, Fragen, Fragen ...

Danke, dass Sie es bis hierher ausgehalten haben. Alle Achtung! Ihnen ist die Zukunft nicht egal, und Sie stellen sich auch viele Fragen - wahrscheinlich noch viel mehr, als hier angeführt. Es wäre kein Problem, das ganze Heft nur mit den Fragen zu füllen, die sich die Menschen gegenwärtig stellen. Wenn Ihnen einmal der Gesprächsstoff ausgehen sollte, stellen Sie eine dieser Fragen. Sie können sicher sein, dass es mit der Langeweile vorbei ist - unter Umständen sogar mit der einen oder anderen Freundschaft oder zumindest Sympathie. Auf alle Fälle wird die Meinungsvielfalt so groß sein, dass allen der Kopf sprichwörtlich zu rauchen beginnt - außer man igelt sich in einem erlauchten Kreis Gleichgesinnter, nein "Gleichgemachter", ein - obschon auch da die gleiche Meinung nur auf bestimmte Themen beschränkt ist. Nur allzu schnell entdeckt man, wie sehr man auf einem anderen Gebiet unterschiedlich denkt, fühlt und auch handelt.

Die Gesellschaft ist schon etwas Vertracktes. Weil das so ist, hat sich schon der eine oder andere eine "Diktatur light" gewünscht. Da sei es einfach. Einer oder einige wenige sagen, was Sache ist, und die anderen richten sich danach. Vorbei wären die nervigen Debatten, die uneingeschränkte Informationsflut und das ständige Entscheiden bezüglich dessen, was jetzt richtig oder falsch ist. Das werde einem abgenommen ... Hm, diese Zeit haben wir aber (hoffentlich) hinter uns. Leider sehen wir sie zum Teil auch heute noch in anderen Ländern – ob sie nun religiös oder atheistisch geprägt sind. Anziehend sind sie nicht wirklich. Da diskutieren wir dann doch lieber.

Vier kleine Hilfen

Um sich nicht gleich von den Meldungen vereinnahmen zu lassen, sind einige Hinweise hilfreich. Vier davon seien hier angeführt:

1. Wenn jemand die richtige Frage stellt, muss er noch lange nicht die richtige Antwort geben! Das sind, um ein Sprichwort zu strapazieren, "zwei Paar Schuhe". Ich bin überzeugt, dass es, wenn jedem Einzelnen der Gesellschaft dies klar würde, viel weniger Hass und Streit gäbe. Um beim Bild der Schuhe zu bleiben: Dorthin lässt sich die Schuld verschieben – dem Anderen zur Last. Ob das aber dann der Wahrheit entspricht, ist eine ganz andere Sache.

2. Eine Ursache ist selten allein verantwortlich! Bei vielen Krisen spielen meist mehrere Faktoren eine Rolle. Man verzerrt das Problem, wenn man eine (1) Ursache besonders hervorhebt und andere nicht beachtet. Man erschwert dadurch eine Lösung.

3. Vertraue nicht blindlings einer Meldung! Selbst wenn viele Zeitungen das Gleiche über eine Sache schreiben, heißt das noch lange nicht, dass dies auch stimmt. Zeitungsartikel werden oft von Presseagenturen verkauft, andere werden schlichtweg in leicht veränderter Form abgeschrieben. Wenn etwas überall steht, ist es deshalb keineswegs wahr. Es können trotzdem subjektive Beobachtungen und Schlussfolgerungen sein, die so nicht stimmen. Trau erst recht keinen Berichten im Internet, in denen die "tatsächliche Wahrheit", die geheimsten Informationen und Ähnliches angeboten werden. Verschwörungstheoretiker hat es immer gegeben. Sie erleben durch die modernen Medien und die leichtgläubigen Menschen eine Hochkonjunktur.

4. Es sollte uns klar sein: Kein Mensch kann mit Sicherheit sagen, was genau war und was und wie etwas noch kommen wird.

Es gab schon immer die beiden Extreme: Entweder man schlägt sich mit viel mehr Problemen und Sorgen herum, als man es wirklich müsste, oder man ist es leid, weil man vor lauter Krisen sowieso keinen Überblick mehr hat und deshalb auch nichts ernstnehmen will. Das sind zwei unterschiedliche Reaktionen auf die Informationsflut. Beide tun uns nicht gut.

Eine Quelle der Besonnenheit

Ruhe und Besonnenheit sind zwei Tugenden, die heute gefragter sind als je. Spätestens hier ist entscheidend, auf welcher Grundlage man sein Leben aufbaut. Hier zeigt es sich, ob Christsein nur ein Kulturgut ist, zu dem man sich halbherzig bekennt, oder ob es eine grundlegende Lebenseinstellung darstellt, von der man sich auch sein Weltbild prägen lässt. Das heißt: Glaubt man dem inspirierten biblischen Wort und dem, was es über die Menschen und die Entwicklung dieser Welt sagt? Sicher, das schreibt sich ganz leicht, aber trotzdem ist das eine wesentliche Grundlage für eine bestimmte Lebenshaltung, auch wenn man die Einzelheiten und diverse Entwicklungen noch gar nicht richtig einordnen kann. Jesus sagte schon damals: "In der Welt habt ihr Angst; aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden." Johannes 16,33 (LU) Das war keine theoretisch-philosophische Weisheit ohne Lebensbezug. Im Gegenteil. Fast alle seine Jünger starben eines gewaltsamen Todes. Ihr Leben war sicher "spannender" verlaufen, als sie es sich gewünscht hatten.

Da gab es auch einen Paulus, der früher die Christen hasste und verfolgte. Als aber sein Herz durch Gott berührt wurde, veränderte sich sein ruheloses, von Hass und Ärger getriebenes Leben. Er saß unschuldig im Kerker und schrieb die bedeutenden Worte: "Freut euch immerzu, mit der Freude, die vom Herrn kommt! Und noch einmal sage ich: Freut euch! Alle in eurer Umgebung sollen zu spüren bekommen, wie freundlich und gütig ihr seid. Der Herr kommt bald! Macht euch keine Sorgen, sondern wendet euch in jeder Lage an Gott und bringt eure Bitten vor ihn. Tut es mit Dank für das, was er euch geschenkt hat. Dann wird der Friede Gottes, der alles menschliche Begreifen weit übersteigt, euer Denken und Wollen im Guten bewahren, geborgen in der Gemeinschaft mit Jesus Christus." Philipper 4,4-7 (GN)

Freude und Frieden auch in turbulenten Zeiten - das ist das, was wir auch heute brauchen. Dann gibt Paulus noch einen entscheidenden Rat, der als eine Bedingung gesehen werden kann, um diese Freude und diesen Frieden zu erleben: "Richtet eure Gedanken auf das, was schon bei euren Mitmenschen als rechtschaffen, ehrbar und gerecht gilt, was rein, liebenswert und ansprechend ist, auf alles, was Tugend heißt und Lob verdient." Philipper 4,8 (GN)

Wenn wir uns ständig mit dem Unrecht, den Ungerechtigkeiten, den Katastrophen und den Krisen beschäftigen, können wir noch so tolle Vorsätze haben, es wird uns nichts nützen. Wir verändern durch Grübeln, Hadern und Vorahnungen gar nichts, sondern machen uns nur selbst zu einem Teil der Probleme. So wie unsere Nahrung jede Zelle unseres Körpers versorgt und deshalb für unsere Gesundheit ein wesentlicher Faktor ist, ist es auch mit der geistigen Speise. Informationen sind nicht neutral. Sie bewirken etwas in uns und werden zu einem Teil von uns.

Wenn Menschen mit Freude und froher Erwartung in die Zukunft blicken dürfen, dann sind es die Christen, die an die Erfüllung der biblischen Prophezeiungen glauben. Wenn der christliche Glaube nicht diese Auswirkungen hat, ist er nicht viel wert und kann sogar noch kränker machen, als man ohnehin ist.

"Jesus lebt", rief man nicht nur damals, als er aus dem Grab auferstand. "Jesus lebt" ist der Mut machende Zuruf, der nicht ohne Folgen bleiben wird. "Jesus kommt wieder" ist auch die Hoffnung, die uns heute durch schwierige Zeiten tragen möchte. Und es wird nicht nur eine Hoffnung sein, sondern eine gegenwärtige Quelle, aus der wir Kraft für unsere täglichen Aufgaben schöpfen können. Was immer kommen mag, wir dürfen Ruhe bewahren und Frieden im Herzen erfahren.

Autor: Pierre Intering

Artikel-Bildnachweis: © Martin Dimitrov/istockphoto