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01.12.2018

Schluss mit diesem Jesus ...?!

Schluss mit diesem Jesus, dessen man nur zu allen heiligen Zeiten gedenkt und den man überhaupt nicht mehr ernst nimmt!

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Ja, dieser Satz ist schon provokant, aber er will auf etwas aufmerksam machen, was im hektischen Trubel kaum wahrgenommen wird. Da das bevorstehende Weihnachtsfest jedes Jahr wochenlang fast aufgedrängt wird, egal ob man glaubt oder nicht, ob man es möchte oder nicht, ist es nur in Ordnung anzufragen, was denn nun eigentlich gefeiert wird?

Ach ja, die Geburt Jesu. Das wird hoffentlich jeder so beantworten können. Aber wie viel hat das Ganze wirklich mit ihm zu tun? Will das Geburtstagskind das überhaupt? Über Letzteres würde sich streiten lassen. Behaupten kann man ja schnell etwas. Ob es dann wirklich so ist, ist eine andere Sache. Deshalb soll es hier gar nicht um diese Frage gehen.

Geschenke

Auch wenn das Weihnachtsfest keinem biblischen Gebot entspringt, heißt das nicht, dass man nicht der Geburt Jesu gedenken kann. Darin liegt nicht das Problem. Nur bei Geburtstagsfeiern ist es üblich, dass das Geburtstagskind die Geschenke bekommt und sich nicht die Gäste gegenseitig beschenken und der Gefeierte leer ausgeht. Wie das gehen soll, weil der Gefeierte ja nicht da ist? Das ist einfach. Jesus erzählte damals den Menschen, dass ihr Tun wie auch ihr Unterlassen nicht ohne Folgen bleiben. So erzählte er, dass er die Menschen loben bzw. verurteilen werde, weil sie ihm viel bzw. nichts gegeben hätten. Daraufhin fragen die Menschen, was das gewesen sein soll. Jesus sagte: "Ich versichere euch: Was ihr für einen der Geringsten meiner Brüder und Schwestern getan habt, das habt ihr für mich getan!" "Was ihr bei einem der Geringsten meiner Brüder und Schwestern unterlassen habt, das habt ihr an mir unterlassen!" Matthäus 25,40.45 (NLB) Die verschiedenen Spendenaktionen sind sicherlich etwas Gutes, und schön wäre es, wenn die Einstellung, für andere da zu sein, nicht auf eine bestimmte Jahreszeit beschränkt und auch nicht mit einem finanziellen Betrag abgegolten würde. Wenn dann dies alles noch so selbstverständlich geschieht, dass man sich dessen gar nicht bewusst ist, dann kommt es den Worten Jesu über die echte Nächstenliebe schon sehr nah.

Es war/ist dunkel

Auch wenn Weihnachten ein eher besinnliches Fest ist, war die Geburt Jesu alles andere als romantisch. Insofern passt es, dass die Geburt zur dunkelsten Jahreszeit gefeiert wird, in der man sich ganz schön warm anziehen muss (dies natürlich mit Vorbehalt auf andere Regionen der Welt). Damals war es auch eine finstere, kalte Zeit - vielleicht weniger im meteorologischen als vielmehr im gesellschaftlichen Sinn. Da gab es die Römer, die mit eiserner Hand ihre Interessen durchsetzten. Wie wenn dadurch nicht schon genug Leid vorhanden gewesen wäre, gab es im Volk alle möglichen Streitigkeiten religiöser und politischer Art. Die einen suchten ihr Heil in strengen Vorschriften, um den Segen Gottes wieder zu verdienen, andere stellten fast alles in Frage, was mit Gott in Verbindung stand, und wiederum andere versuchten immer wieder, Leute in ihrem erfolglosen Kampf gegen die verhassten Besatzer zu mobilisieren. Die Notwendigkeit für einen Retter war sicher da, aber die Voraussetzung dafür denkbar ungünstig.

Nein, diese nicht gerade ermutigende Grundstimmung sollten wir sicher nicht jedes Jahr nachspielen und dadurch das Fest zur Qual werden lassen. Aber es wäre gut, wenn man sich dieser Tatsachen doch immer wieder bewusst würde, um nicht ganz in Kitsch und belanglosen Äußerlichkeiten zu versinken.

Baby oder Herr?

Bei einer Geburtstagsfeier hält man sich nicht zu lange bei der Geburt auf. Wäre das Geburtstagskind nicht ein wenig verwundert oder sogar gekränkt, wenn man sich zwar auf seiner Feier mit allen Facetten seiner Geburt und seines Kleinkindalters beschäftigte, es aber als Erwachsener gar nicht wahr- oder zumindest nicht ernst nähme? Wenn es überhaupt um das Kind geht, dann doch meist in verklärter Form, die mehr den Charakter von Kindergeschichten hat. Sie sind nett, etwas verklärt romantisch, wollen ein wenig unterhalten, aber sind nichts für erwachsene, im Leben stehende Menschen, die in einer ganz anderen Welt leben, in welcher ganz andere Themen wichtig sind.

Dabei werden die Geburt und die Kindheit Jesu in den biblischen Berichten nur kurz erwähnt. Fast die ganze Aufmerksamkeit gilt seinem Leben, in dem er lehrte, half und ein Beispiel und Vorbild für viele Lebenslagen war. Da geht es nicht um graue Theorie oder schwer verständliche Philosophie, sondern um einfache, aber wichtige Dinge, die viele seiner Zuhörer bewegten. Seine Lehren verpackte er in Geschichten und Gleichnisse, die fast ein wenig kindlich anmuten und daher von jedem verstanden werden konnten, wenn er mit offenem "Herzen" zuhörte. Die Menschen waren beeindruckt von dem, was sie hörten: "Als Jesus seine Rede beendet hatte, waren die Zuhörer von seinen Worten tief beeindruckt. Denn anders als ihre Schriftgelehrten sprach Jesus mit einer Vollmacht, die Gott ihm verliehen hatte." Matthäus 7,21 (Hfa)

Diese einfache und klare Ansprache fehlt uns Menschen heute viel zu oft. Da geht es nicht im allgemeinen Sinn um Religion und Theologie, in denen man sich nur allzu leicht in irgendwelchen Spitzfindigkeiten verlieren kann. Natürlich war Jesus eine unverfälschte Lehre wichtig. Doch er hielt sich nicht sehr lange damit auf, weil er wusste, dass, wenn der Mensch die grundsätzlichen Dinge des einfachen Lebens verstand, dies weitreichende Folgen auch in vielen anderen Bereichen hatte. Weil sich der Mensch nur allzu leicht in seinem von Problemen geprägten Leben verliert, belehrte ihn Jesus nicht nur, sondern war um ein persönliches Verhältnis bemüht. Er war nicht der unnahbare Lehrer, sondern der Freund, der mit Wort und Tat den Menschen zur Seite stand. Obwohl er sich nicht aufdrängte, war es den Menschen schon klar, dass Jesus der Herr ihres Lebens sein wollte. Er wollte nicht der sein, dem man zu allen heiligen Zeiten eine Kerze zum Gedenken anzündet. Er wollte Herr sein. Aber nicht deshalb, weil es ihm um Macht ging, sondern weil er retten und Menschen sicher durch das herausfordernde Leben führen wollte: "Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht; denn ohne mich könnt ihr nichts tun." Johannes 15,5 (LU)

Es ist ein gewaltiger Unterschied, sich über ein Kinderbett zu beugen, ein Baby zu belächeln, vielleicht auch ein wenig zu liebkosen oder einem schon erwachsenen Jesus zu begegnen, dem man sein Leben anvertraut, und bereit ist, sich von ihm führen zu lassen. Es ist gut, dass wir das Gefühl für andere nicht verlieren, die uns brauchen und auf unsere Hilfe angewiesen sind. Es ist aber auch gut, dass wir unsere eigene Hilflosigkeit in vielen Dingen eingestehen und uns selbst mit den Augen betrachten, mit denen Jesus die Menschen ansah. Es geht um weit mehr als nur um einige Ratschläge für unser Leben. Es geht um das Leben überhaupt, um seinen Sinn und um sein Ziel und es geht um das zukünftige, ewige Leben.

Wenn wir Jesus nur historisch betrachten und obendrein nur als hilfloses Kind, das eine Zeitlang unsere Aufmerksamkeit braucht, hat er für uns praktisch keine Bedeutung. Es ist dann nicht viel anders als die Kenntnis vom Tod so mancher Persönlichkeiten. Man kann manches von ihnen lernen, was sie niedergeschrieben haben oder man von ihnen sagt. Aber es hat mit dem eigenen Leben nicht viel zu tun. Es wäre nicht nur schade, sondern ein Riesenverlust, wenn dies mit Jesus auch so geschähe.

Wir können Weihnachten eine viel größere Bedeutung beimessen, wenn wir wirklich daran denken, dass unser Herr und Schöpfer als kleines, hilfloses Kind auf diese Welt kam, um unsere Aufmerksamkeit zu gewinnen, uns zu zeigen, wie Gott wirklich ist, uns zu lehren, was Wahrheit ist, uns in unserem Alltag zu begleiten und zu führen und schließlich unsere Schuld auf sich zu nehmen, damit wir als Unschuldige einmal in einer Welt leben dürfen, in der es keine Dunkelheit mehr gibt. In diesem Sinne dürfen wir uns über jedes Lämpchen und jede Kerze freuen und uns immer wieder bewusst machen, was es bedeutet, dass Jesus geboren wurde.

Autor: Pierre Intering

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