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16.04.2017

Wahlempfehlung

Was der Mensch alles wählt

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"Es wird niemals so viel gelogen wie vor der Wahl, während des Krieges und nach der Jagd." Wer dieses Zitat liest, muss zwangsläufig schmunzeln. Es war auch nicht irgendjemand, der das sagte, sondern der leidenschaftliche Jäger und Staatsmann Otto von Bismarck, der selbst drei Kriege geführt hatte. Also wusste der Mann wohl aus eigener Erfahrung, wovon er redete.

Kein Mensch muss sich für die Jagd interessieren, geschweige denn Jäger werden. Mit Kriegslügen haben wir glücklicherweise in unserem kleinen Land nicht viel zu tun, aber mit Wahlen sind wir ständig konfrontiert. Schließlich müssen wir alle wählen. Müssen? Sind diese Zeiten nicht vorbei, wo man unter Strafandrohung noch zur Urne marschierte? In Österreich fing man 1992 an, die Wahlpflicht abzuschaffen. Erst 2004 fiel sie im letzten Bundesland. Und doch muss jeder Mensch wählen, ob er will oder nicht, ob er sich dessen bewusst ist oder nicht. Nein, es geht nicht um die politischen Wahlen, denn diese haben meist weit weniger Einfluss auf das persönliche Leben als andere Bereiche, in denen der Mensch wählt. Und auch da gilt: Wer nicht bewusst wählt, für den treffen andere die Entscheidung. Ob man damit glücklicher wird, darf bezweifelt werden. Und noch etwas: Für dieses Wählen gibt es keine Altersbeschränkung. Man kann nicht früh genug damit anfangen.

Was der Mensch alles wählt

Jeder wählt - Tag für Tag, das ganze Leben lang. Nicht immer und nicht bei jeder Sache, aber in vielen Bereichen ist der Mensch das Ergebnis seiner Wahl. Wie es ihm geht, wie er sich fühlt, mit welchen Problemen er sich herumschlagen muss – vieles, sehr vieles hängt von seinen zahlreichen "Wahlentscheidungen" in der Vergangenheit ab. Selbst wenn die einzelne Entscheidung keine großen Auswirkungen zu haben scheint, führen viele dieser kleinen Entschlüsse in Summe dorthin, wo man heute steht.

Beispiel Gesundheit

Auch wenn manche Krankheiten und Leiden nicht mit irgendeiner Entscheidung eines Menschen in Verbindung stehen, haben sehr viele doch damit zu tun. Für die Gesundheit fängt man sich bedauerlicherweise oft erst dann zu interessieren an, wenn man sie zu verlieren droht oder schon verloren hat. Für die ersten, aber sehr entscheidenden Lebensjahre kann man eigentlich gar nichts dafür. Da haben die Eltern die Wahl getroffen. Für die Babys wird noch relativ verantwortungsbewusst gesorgt. Sobald aber die lieben Kleinen die tollen Angebote der Kaufhausregale erspäht haben, ist es mit den gesunden Vorsätzen vorbei. Es kann schon der "kleine Wähler" einen ganz gehörigen Druck ausüben. Am Anfang mögen es noch Ausnahmen und kleine "Sünden" sein. Zählt man diese aber Tag für Tag zusammen, ergibt sich ein Riesenberg, durch den man sich nicht unbeschadet durchgefüttert hat.

Abgesehen von den täglichen Entscheidungen über Nahrung und Getränke kommt später die nächste große Wahl. Nimmt man den angebotenen Glimmstängel an? Für welche Partei entscheidet man sich – Raucher oder Nichtraucher? Gleiches gilt beim Getränk – Alkohol oder kein Alkohol? Würde man hier einen Punkt machen, wüsste man schon viel über die gesundheitliche Zukunft. Doch es gibt in diesem Bereich noch eine Menge anderer Dinge, die zur Wahl stehen. Entscheide ich mich für einen allzu gemütlichen, bewegungsarmen Lebensstil oder verlange ich meinem Körper etwas ab, damit ich fit bleibe und vielen Krankheiten vorbeuge? Nehme ich mir genügend Zeit für die Ruhepausen oder entscheide ich mich dazu, Schlaf in späteren Jahren nachzuholen - was natürlich Unsinn wäre, weil es so nicht funktioniert. Sind Medikamente nicht nur eine Ausnahme für wirklich notwendige Fälle oder gehört der reflexartige Griff nach ihnen zu den ersten Maßnahmen, die man bei jedem Wehwehchen ergreift?

Wie sieht es mit der psychischen Gesundheit aus? Lassen wir allen möglichen Gedanken freien Lauf, auch wenn sie uns nur "herunterziehen"? Auf diesem Gebiet gibt es noch eine ganze Reihe von Dingen, die unser Leben beeinflussen und die wir sehr wohl durch kluges Wählen in eine Richtung lenken können.

Das ganze Leben

Die Gesundheit ist zwar ein großes Thema, aber nicht das einzige. Ob es das Lernen in der Schule, der spätere Arbeitsplatz, die Steckenpferde, die man reitet, die Bücher, die man verschlingt, die Filme, die man sich zu Gemüte führt, oder die Themen, auf die man sich einlässt, sind – diese vielen kleine "Wahlen" bestimmen, von wem und wovon wir geprägt werden und wir uns beherrschen lassen. Auch die Wahl des Partners, mit dem wir unser Leben teilen möchten, ist eine wichtige Entscheidung. Blind und taub vor lauter Liebesgefühlen zu sein, rächt sich schneller, als einem lieb ist.

Im Grunde genommen sind das Dinge, die überhaupt nicht neu sind. Wissen ist eine Sache, sich aber einer Sache bewusst werden, eine ganz andere. Ein Rückblick mag niederschmetternd sein, weil schon etwas geschehen ist und man die Folgen tragen muss. Man kann meist nichts mehr rückgängig machen, höchstens die Folgeschäden begrenzen. Und doch ist ein Blick zurück für die unzähligen Entscheidungen, die noch anstehen, heilsam. "Aus Schaden wird man klug", heißt nämlich ein Sprichwort. Ob das generell so ist, mag bezweifelt werden. Aber wer wirklich über seine Vergangenheit nachdenkt, seine "Wahlen" kritisch unter die Lupe nimmt und die richtigen Schlüsse für die Zukunft zieht, der zieht daraus großen Nutzen. Sich nur zu beklagen und die Schuld bei allen anderen, nur nicht bei sich selbst zu suchen, treibt einen nur weiter in die Spirale der Probleme und Krisen.

Wahl-Kriterien

Nach welchen Gesichtspunkten ist es vernünftig zu wählen? Gleich vorweg: Wer meint, eine richtige Entscheidung gehe einher mit Begriffen wie fad, langweilig, freudlos, geschmack- und lustlos, der denkt zu kurz und zu oberflächlich. Ja sicher, wenn jemand sein kräftig gewürztes, in Fett schwimmendes Steak gewohnt ist, dem mag anfangs der Champignon-Blumenkohlauflauf oder der Bohnenreis mit Tofu nur ein säuerlich verzerrtes Lächeln auf sein Gesicht zaubern. Die Geschmacksknospen sind nun mal beeinflussbar, und was man nicht gewohnt ist, ist immer ein wenig sonderbar. Doch hier gilt es, den Verstand über das momentane Gefühl zu setzen. Wer sich die Folgen einer ungesunden Ernährung bewusst macht und sich damit auseinandersetzt, dem fällt es schon leichter, den ersten Bissen in die richtige Richtung zu machen. Außerdem kann man z.B. Gemüse so vielfältig und anregend zubereiten, dass für jeden Geschmack etwas dabei ist. Wir müssen aber vorher wählen.

Es ist sicher einfacher, den Fernseher anzuschalten, die Knabbereien herzurichten und es sich auf der Couch oder im Fernsehsessel gemütlich zu machen, als zu "walken", zu treten, zu laufen oder sich sonst körperlich zu betätigen. Hier gilt das Gleiche: Bequemlichkeit, ja das darf man sich ruhig gönnen – aber nicht ohne einen entsprechenden Ausgleich. Der Gedanke darf sich nicht immer nur um das Jetzt und Heute drehen, sondern muss die Folgen für die Zukunft berücksichtigen.

Eine entscheidende Wahl

Zu wählen gilt es nicht nur, was wir haben oder machen, sondern auch, was wir glauben wollen. Das mag etwas seltsam klingen, aber tatsächlich ist unser Glaube auch das Ergebnis von Entscheidungen. Jeder Mensch ist gläubig - es geht gar nicht anders. Entweder er glaubt an einen persönlichen Gott, dem man nicht gleichgültig ist, oder an ein unbestimmtes höheres Wesen. Oder er glaubt, dass alles nur reiner Zufall ist und es keinen Plan und auch keine Zukunft über den Tod hinaus gibt. Auch ein solcher Mensch muss glauben. Beweisen kann er gar nichts. Das macht die Sache irgendwie spannend. Es stellt uns alle auf eine Ebene. Niemand sollte jemand anderen wegen seines Glaubens oder eben Nicht-Glaubens verachten, verspotten oder sich arrogant über ihn stellen. So viel zur Theorie. Die Praxis zeigt leider etwas ganz anderes. Menschen, die an Gott glauben und die Bibel als Gottes Wort betrachten, werden schnell zu Menschen erklärt, die ganz lieb sein mögen, die man aber nicht ernst nehmen könne. Das ist die harmlose Spielart. Die gefährlichere ist die Verachtung, die in nicht wenigen Ländern der Welt zur Verfolgung von Christen führt. Dadurch sterben heute mehr Christen als je zuvor.

Natürlich gibt es auch die andere Seite. Sogenannte Christen äußern sich verächtlich über Anders- oder Nichtgläubige. Sollte man als vorbeugende Maßnahme alle Religionen, einschließlich des Atheismus, in einer großen vereinigenden Superkirche zusammenfassen? Ist ein Dialog zwischen den Vertretern der verschiedenen Gemeinschaften zu wenig? Sollte man eine übergeordnete Kirche schaffen, die über alle und alles wacht, damit Frieden einkehrt? Das wäre nur ein Wiederaufleben des Mittelalters. Befohlener Glaube bedeutet Unfreiheit und Zwang - genau das Gegenteil dessen, was er bewirken soll. Die Überzeugung, den Glauben wählen zu können, gehört zu den unverzichtbaren Menschen- und Freiheitsrechten. Deshalb gehören Staat und Kirche deutlich getrennt. Jeder Staat und jede Religion, die die Wahl über den persönlichen Glauben einschränkt oder gar verbietet, ist menschenverachtend. Natürlich muss sich auch der Gläubige an die Zivilgesetze halten, die aber niemals religiös motiviert sein dürfen. Niemand darf andere auf irgendeine Weise verachten oder verfolgen, nur weil seine Gottesvorstellung oder seine Lebensweise eine andere ist. Darüber ließe sich noch viel schreiben. Auch und besonders auf dem Gebiet des Glaubens ist Jesus wieder das Vorbild. Nicht dass er alle Religionen auf eine Stufe stellte, nein, im Gegenteil. Seine Überzeugung wird heute als sehr eng angesehen, aber sein Verhalten gegenüber Andersdenkenden wird auch heute noch geachtet. Allerdings fand auch Jesus klare Worte gegen die, die andere unter Druck setzten und sich überheblich über sie stellten. Es waren die damaligen "Kirchenführer", die Pharisäer, gegen die sich Jesus in Matthäus 23 deutlich aussprach.

Wahlempfehlung

Kennen wir das "Parteiprogramm", das unserem Glauben zugrunde liegt? Stehen wir hinter den Lehren und Überlieferungen der Kirche, der wir angehören? Können wir uns damit identifizieren? Ist es wirklich klug, einfach nach Gefühl oder nach Tradition zu wählen? Oder haben andere für mich die Wahl getroffen, der ich mich beuge, oder bin ich einfach zu bequem oder zu "ungläubig", um eigene Entscheidungen zu fällen? Und wenn ich überzeugt bin, dass es keinen Gott gibt, bin ich mir bewusst, dass ich an eine unheimlich lange Kette unglaublicher Zufälle und Erklärungen glauben muss, die mir noch mehr Glauben abverlangt als der Glaube an einen Schöpfer? Ja sicher, diese Fragen sind eine Herausforderung und könnten jemanden verärgern. Das ist aber nicht die Absicht. Es ist auch kein Versuch, Leute abzuwerben oder gar zu bekehren. Es ist aber vielleicht ein kleines Stoppschild, das zum Anhalten bewegen soll, damit man sich Gedanken macht, auf welchem Weg man sich befindet, wohin die Reise überhaupt geht. Sich einfach von der Menge mitreißen zu lassen, mag in gewisser Hinsicht bequem sein, aber man versäumt dadurch die besten und schönsten Ausblicke und gelangt schließlich an ein Ziel an, das man sich nicht selbst ausgesucht hätte. Es geht um das Leben hier und heute, aber auch um die Zukunft.

Da der Glaube in fast alle Lebensbereiche wirkt, hat es für mich eine ganz besondere Bedeutung, zu wissen, woran ich glaube. Die freie Wahl macht es für mich nur noch wichtiger und wertvoller, wenn ich weiß, warum ich an Jesus Christus glaube und sein Wort für mich nicht nur unverbindliche Ratschläge sind. Es ist das Beste und Schönste, was einem widerfahren kann, wenn man für sich persönlich das gefunden hat, wonach sich eigentlich alle sehnen. "Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken." Matth. 11,28

Gott manipuliert nicht, er lockt nicht, und zwingen tut er schon gar nicht. Es hätte alles keinen Sinn, wenn der Mensch nicht aus freien Stücken und aus innerer Überzeugung entscheiden könnte. Gerade wegen dieser Freiheit, die zum wertvollsten Menschenrecht gehört, wird Gott kritisiert. Der Mensch kann sich für das Unrecht entscheiden, kann lügen, stehlen und sich und andere zugrunde richten. Noch. Aber es kommt der Tag, vielleicht früher, als mancher denkt, an dem Gott alles neu machen wird. Wer die richtige Wahl trifft und sein Herz dem Einfluss Gottes durch Jesus nicht entzieht, wird schon jetzt einen tiefen inneren Frieden erleben, auch wenn es noch so viel Chaos in dieser Welt gibt. Wir können frei wählen, ob wir lieber Sandkörner sein wollen, die von jeder Welle hin- und hergeworfen werden, oder ab wir Felsen sind, an denen sich die Wellen brechen. Welchem Einfluss wir uns hingeben, liegt an unserer Wahl, und die hat wahrlich nichts mit Rot, Schwarz, Grün oder Blau zu tun.

Autor: Pierre Intering

Artikel-Bildnachweis: © Igor Zhuravlov/istockphoto.com