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16.04.2018

Was prägt mein Leben?

Eine kleine Orientierung, die das eigene Leben und das Leben anderer verständlicher machen kann.

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Es ist gar nicht so einfach, Tipps und Ratschläge für ein erfolgreiches und glückliches Leben zu geben. Allein über diese beiden Begriffe - Erfolg und Glück - lässt sich unendlich diskutieren bzw. streiten.

Begriffe sind dafür da, um etwas Komplexes/Umfangreiches/Vielschichtiges mit einem Wort zu beschreiben oder auszudrücken. Das zeigt an sich schon, dass es nicht so einfach ist, mit einem einzigen Begriff etwas auszudrücken. Dazu kommt noch die Frage, mit welcher Einstellung und Lebensphilosophie man diesen Begriff benutzt.

Um es nicht noch komplizierter zu machen, sollen hier verschiedene Lebensbereiche nebeneinandergestellt werden. Die Aufzählung ist natürlich unvollständig und wird in diesem Artikel sehr verkürzt dargestellt. Und trotzdem ist er eine kleine Orientierung, die das eigene Leben und das Leben anderer verständlicher machen kann.

Vom Ich

Man kann noch so selbstlos denken - das ICH verlangt seinen Platz, seinen Raum und seine Zeit. Das ist auch gut so. Wer nicht auch auf sich selbst schaut, kann auch nicht für andere da sein. Ob es das Essen, der Schlaf und überhaupt der Lebensstil ist - wenn ich da nicht mit mir selbst klarkomme, womit dann? Das hat überhaupt nichts mit Egoismus zu tun. Jeder Mensch hat Grundbedürfnisse, die gestillt werden müssen. Zum Glück anderer kann nur der etwas beitragen, der selbst das gefunden hat und pflegen kann, was er selbst braucht. Da mag es durchaus verschieden große Portionen für den Einzelnen geben. Sich in der eigenen Haut wohl zu fühlen, gesund zu leben, im Beruf halbwegs klarzukommen und auch noch Zeit für eigene Interessen zu haben - das sind wichtige Grundbedürfnisse, die leider nicht jedem vergönnt sind. Zum ICH gehören auch noch der Ehepartner, die Kinder und die engsten Freunde. Das ist eng miteinander verwoben und macht unsere Persönlichkeit aus. Deshalb ist es wichtig, wen man, im wahrsten Sinn des Wortes, an sich heranlässt. Das sind Entscheidungen, die unser Leben ausmachen. Wenn man sich spontan irgendwelchen oberflächlichen Gefühlen und Lustmomenten hingibt, erfolgt ein böses Erwachen - manchmal auch wieder im wahrsten Sinn des Wortes. Wie viel Ärger, Leid und wie viele mitmenschliche Katastrophen könnten verhindert werden, wenn man besonnener - und von bewussten Werten gelenkt - sein Leben nicht einfach so aus der Hand gäbe.

Die Welt

Ja, wir leben auf keiner einsamen Insel. Zum Glück! Dafür sind wir nicht geschaffen. Die Welt um uns sollen und dürfen wir wahrnehmen. Sie prägt uns, und wir prägen sie. In welchem Maß und in welchen Bereichen, das sollten wir selbst bestimmen. Es wird täglich um uns geworben. Es geht nicht nur um unser Geld, sondern auch um unsere Aufmerksamkeit, unsere Zeit, unsere Interessen, unsere Bedürfnisse und vieles andere. Das ist auch gut so, aber da es auch hier oft Missbrauch gibt, sind Herz und Verstand gleichermaßen gefragt, ebenso Werte, die entscheidend dafür sind, ob unser Leben halbwegs in Bahnen läuft oder in einem Chaos endet.

Das Leben ist ein Geben und Nehmen. Das ist grundsätzlich nicht schlecht. Aber wenn ich meine Zeit und meinen Kopf mit Unsinn fülle, wird auch nichts Gutes daraus entstehen. Wem oder was schenke ich meine Aufmerksamkeit und damit mich selbst? Diese Frage ist in unserem modernen Zeitalter wichtiger denn je. Es geht nicht nur um persönliche Begegnungen. Vieles spielt sich nun virtuell über moderne Kommunikation ab, und die Medien vereinnahmen ungemein, ohne dass man sich dessen richtig bewusst ist. Das reale Leben rauscht nur so vorbei, und vieles geht dabei verloren.

Was nehme ich von der Welt um mich herum auf? Wie trage ich dazu bei, auch das Leben meiner Mitmenschen noch lebenswerter zu gestalten und Not und persönliches Unglück erträglicher zu machen? Wer sich diesen Fragen stellt, dem wird nie wieder langweilig sein. Dass man dabei auch an seine Grenzen stößt, muss man auch wissen und akzeptieren. Sonst kann man dabei selbst auf der Strecke bleiben.

Die Kunst

Die verschiedenen Künste nehmen mehr Platz in unserem Leben ein, als man vielleicht denkt. Entweder man betreibt sie selbst oder man konsumiert sie. Jedenfalls verleihen sie dem Leben eine gewisse Qualität, die man nicht missen möchte. Sie beeinflussen uns auch mehr, als man meinen möchte. Musik wird vermutlich die größte Rolle spielen. Dabei will sie nicht nur schöne Gefühle wecken, sondern ist Ausdruck einer Lebenseinstellung und eine andere Form von Einfluss, der andere prägen und lenken möchte. Nicht selten gibt sie den Lebenstakt an und entführt in eine Welt, in der alles erträglicher wird. Das kann positiv sein, wenn die Musik aufbauend, stärkend, beruhigend ist oder Gedanken auf verschiedene Themen lenkt. Wenn sie hingegen aggressiv ist und erschöpft oder dazu anregt, Werte über Bord zu schmeißen, wird es mehr als bedenklich. Klar kann Musik auch ein Ausdruck des Protestes sein, aber Spielregeln wie Fairness gelten auch hier.

Der Glaube

Sie sind nicht gläubig? Das gibt es nicht. Jeder Mensch ist gläubig. Entweder er glaubt an Gott, an irgendein höheres Wesen oder eben daran, dass es nichts von beidem gibt. Glauben müssen wir immer, und dieser Glaube prägt weit mehr, als einem oft bewusst ist. Es gibt nichts Besseres auf der Welt, als wenn dieser Glaube von einem Gott geprägt ist, dem man sein Leben immer wieder anvertrauen kann. Das muss nicht in irgendwelchen Gefühlsausbrüchen sichtbar sein. Es geht nicht darum, dass wir durch den Glauben zu einem bestimmten Typ von Mensch werden, von dem man meinen könnte, er schwebe schon halb über der Erde. An Gott zu glauben und sich von ihm prägen und führen zu lassen, muss überhaupt nicht abgehoben sein. Man muss nicht immer nur lächeln und alles durch eine rosarote Brille sehen. Aber man muss auch nicht immer alles schlechtreden und mit düsterem Ausblick jede Entwicklung kommentieren. Und obwohl es wichtig ist, das biblische Wort nicht zu verfälschen, dürfen wir auch nicht den Fehler begehen, in theologischen Sphären zu leben. Damit könnten andere überhaupt nichts anfangen. Da war uns Jesus das beste Vorbild. Er fühlte sich dem Wort seines Vaters verpflichtet, lehrte und lebte es, aber das meiste, von dem er sprach, betraf das tägliche, einfache Leben des Menschen. Dieser sollte sich und anderen nicht etwas vormachen, sich fair gegenüber allen verhalten, nicht mit gleicher Münze zurückzahlen, barmherzig sein und vergeben können, ein Herz für Bedürftige und Fremde haben und vieles mehr. Die Kraft und Freude für dieses Leben kommt nicht aus sich selbst heraus, sondern liegt in der Verbundenheit mit Gott. Das muss überhaupt kein meditativer Vorgang sein. Jesus verglich es mit dem kindlichen Vertrauen zum Wort des Vaters.

Mehr als nur human

Viele der oben angeführten Werte hat auch der Humanismus übernommen. In der Gesellschaft sind das Tugenden, die allgemein bekannt und anerkannt sind. Dass die Praxis von der Theorie abweicht, ist ein anderes Problem. Hier zeigt sich der Wert des Glaubens an Gott, der nicht nur Werte schenkt, sondern auch den Menschen mit seinen Verstrickungen und seiner Hilflosigkeit nicht alleine lässt. Was nützen die besten Vorsätze, wenn sie nicht umgesetzt werden können? Gott ist barmherzig und immer bereit zu vergeben. Das ist die Seite, die man nur allzu gerne betont. Aber das ist nur die eine Hälfte der guten Nachricht. Die andere ist, dass es uns möglich wird, anders zu denken, anders zu reden und auch anders zu handeln. Wir müssen nicht Spielball unserer schwachen Natur oder gesellschaftlicher Entwicklungen sein. Die Wunder von Jesus damals sind für uns heute eine wichtige Lehre: Der Kranke wurde nicht nur von Jesus/Gott getröstet. Er wurde gesund und konnte wieder gehen, wieder sehen und ein neues Leben beginnen. Sogar Tote wurden auferweckt. Ein schönes Bild dafür, dass es bei Gott auch heute keinen hoffnungslosen Fall gibt. Doch es gibt ihn schon: Nämlich, wenn der Mensch es ablehnt, sich von Gott prägen und führen zu lassen. Er hat die Freiheit dazu. Er entscheidet schließlich selbst, ob er verbindet oder verletzt, für das Recht einsteht oder krumme Dinge dreht, zu etwas nein sagt, wegschaut oder es bejaht. Schließlich entscheidet er auch selbst darüber, ob er Leben gibt oder Leben nimmt - auch sein eigenes.

Wenn wir mehr über unser Leben nachdenken und uns unserer Ziele bewusst sind, wird es uns helfen, in unseren Lebensbereichen ausgeglichen und beständig zu sein. In einer immer unsicherer werdenden Welt werden solche Menschen mehr denn je gebraucht. Sie können keine heile Welt schaffen, nein, aber mit der Hilfe Gottes sind sie für viele andere ein Segen und Lichtblick in dunklen Tagen.

Autor: Pierre Intering

Artikel-Bildnachweis: © kupicoo/istockphoto