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01.12.2017

Wohin soll es gehen?

Richtungsentscheid in einer rasend schnellen Zeit

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"Heute hier, morgen dort, bin kaum da, muss ich fort ..." Dieses Lied von Liedermacher Hannes Wader gehörte in den 70er und 80er Jahren zum Standard mancher jugendlicher Gitarristen. Auch wenn es sich in diesem Lied vordergründig um die Person selbst dreht, die ständig den Ort wechselt, so beschreibt es auch die rasend schnellen Veränderungen, die sich in den letzten Jahrzehnten, eigentlich den letzten beiden Jahrhunderten, ereignet haben:

"Denn was neu ist, wird alt,
und was gestern noch galt,
stimmt schon heut oder morgen nicht mehr ...
So vergeht Jahr um Jahr,
und es ist mir längst klar,
dass nichts bleibt, dass nichts bleibt, wie es war."
Hannes Wader

Ist das nun schlecht oder gut? Sowohl als auch!

Das Glück der Veränderung

"Früher war alles besser" – diese wohlbekannte Formulierung hat ihren Grund in der bruchstückhaften Wahrnehmung der Vergangenheit. Je nach Menschentyp, Stimmung und Thema wird die "gute alte Zeit" beschworen. Die unzähligen Ungerechtigkeiten, unter denen viele Menschen leiden mussten, werden ausgeblendet. Man schuftete von früh bis spät, um den Seinen ein wenig Brot auf den Tisch legen zu können und als Leibeigener dem Herrn ein feudales Leben zu ermöglichen. Frauenrechte? Kinderrechte? Arbeitnehmerrechte? Überhaupt Rechte? Das gibt es noch nicht sehr lange. Vieles musste erst hart erkämpft werden.

Die "gute alte Zeit" war in vielerlei Hinsicht erschreckend. Wo heute Menschen beruflich erst durchstarten, war früher das Leben schon fast wieder zu Ende. Ob es Gewalt, Krankheit oder nur das Ende durch ein kräftezehrendes Leben war - heute sind wir bestürzt, wenn Menschen so früh aus dem Leben gerissen werden. Einfache Infektionen bedeuteten oft das Todesurteil. Wer das Glück hatte, ärztlich behandelt zu werden, brauchte doppeltes Glück, um diese Behandlung zu überstehen. Was den Glauben betrifft, herrschte lange Zeit das finsterste Mittelalter - zumindest was die Allgemeinheit betrifft. Entweder man wurde von allen möglichen abergläubischen Vorstellungen geplagt oder die Macht einer oft unbarmherzigen Religion trieb die Menschen vor sich her. Kritik bezahlte man nicht selten mit seinem Leben. Wir im Westen sollten froh sein, andere Zeiten zu erleben. Gleichzeitig muss uns aber bewusst sein, dass es sehr wohl noch in vielen Teilen der Welt diese "mittelalterlichen" Zustände gibt. Sie schauen nur moderner aus, aber unser Konsum beruht auf dem Fluch der billigen, ausgebeuteten Arbeitskräfte. Da haben wir mit unserem Kaufverhalten schon ein wenig Einfluss darauf. Das wäre aber ein anderes Thema. Es ist gut, dass sich manches verändert hat und nicht mehr so ist, wie es war. Vielen Dingen brauchen wir keine Träne nachzuweinen.

Das Unglück der Veränderung

Der Mensch kann aber sicher nicht auf alles stolz sein, was er in der Vergangenheit zurückgelassen hat. Was ihm z.B. immer mehr abhandenkommt, ist der Bezug zur Natürlichkeit in vielerlei Hinsicht. Nicht dass grundsätzlich die technischen Errungenschaften verdammt sein sollen! Nein, das wäre Unsinn. Aber wenn sie unser natürliches Leben zurückdrängen und uns krank machen, werden sie zum Fluch. Was auf Kosten unserer Gesundheit geht, kann kein Segen sein. Grundsätzlich gilt: Was mir ruhige Zeiten, Schlaf und Nerven raubt, ist kein Fortschritt, sondern Ausbeutung, nur diesmal auf modernere Art. Dabei sind aber nicht die Technik und andere Errungenschaften das Problem, sondern vielmehr unser Umgang damit. Was machen wir mit den Dingen, die unseren Alltag erleichtern sollen? Rauben sie unsere ganze Zeit, unsere Nerven? Und versetzen sie uns in einen Kaufrausch, weil wir immer wieder das Neueste haben wollen? Dann hat die Sache eindeutig uns im Griff und nicht wir sie. Radikales Umdenken ist da notwendig, sonst überlassen wir unsere ganze Persönlichkeit Großkonzernen, die sich an den maßlosen Konsumenten eine goldene Nase verdienen.

"Raus aus der Stadt!", lautet eine Devise, die zu einem natürlicheren Lebensstil anregen möchte. Es ist tatsächlich so – je natürlicher unsere Umgebung ist, desto einfacher wird es, sich nicht vom vielfältigen Konsum und einer nervenraubenden Hektik vereinnahmen zu lassen.

Das oder der Entscheidende!

Über die eben angesprochene Problematik sind schon viele Bücher, Aufsätze und Artikel geschrieben worden. Es ist im Grunde genommen nichts Neues, und trotzdem soll es uns immer wieder bewusst gemacht werden, weil wir oft schon am Abend vergessen haben, was uns am Morgen beeindruckt hat. Vorsätze halten oft nicht einmal 24 Stunden lang. "Heute hier, morgen dort". Unser Geist scheint unermüdlich auf Reisen zu sein - immer schneller, immer kürzer und immer oberflächlicher. Dem ist entgegenzuwirken.

Sich auf wesentliche Dinge zu besinnen wird aber nur halb so wirksam sein, wenn der Blick nicht auf den eigentlichen Ursprung zurückreicht bzw. wenn dieser Ursprung nur aus einem sinnlosen Zufall, einem riesigen Urknall, besteht. Nicht dass zufälliges Leben sinnlos wäre. Das wäre zu oberflächlich gedacht. Der Mensch kann seinem Leben zumindest eingeschränkt Sinn verleihen, indem er nicht gedankenlos nur für sich dahinlebt. Und doch fehlt ihm eine entscheidende Sache. Wenn das Leben tatsächlich aus unglaublichen Zufällen entstanden sein soll, verliert sich wieder alles in einer völligen Sinnlosigkeit. Das Leben ist so kurz, und es gäbe keine Zukunft. Diesem jetzt irgendwelche spirituellen Eingebungen oder Philosophien entgegenzuhalten hilft auch nicht weiter. Welche Vorstellung von den vielen tausenden stimmt denn wirklich?

Wer mich sieht ...

Wir leben zwar in einer sogenannten christlichen Kultur, haben aber zu einem großen Teil die geistige Sprengkraft und den Sinn der christlichen Botschaft vergessen. Jesus stellte klar: "Wer mich sieht, der sieht den Vater". Das Hinsehen und auch Hinhören auf ihn tut uns heute in dieser rastlosen Zeit unheimlich gut. Da geht es aber nicht nur darum, irgendwelche Gefühle für bestimmte Momente einzufangen, sondern darum, uns eine feste Grundlage für alles andere zu geben. Es stellen sich gerade zur Weihnachtszeit wieder sehr persönliche Fragen: Ist es wahr, was Jesus von sich und seinem himmlischen Vater sagte, oder war Jesus nur ein Phantast oder sogar ein Betrüger mit maßlosen Ansprüchen? Gottes Sohn, Kranker oder Betrüger? Es gibt nur diese drei Möglichkeiten. Es wäre äußerst gefährlich, vorschnell zu einem Urteil zu kommen, ohne sie eingehend geprüft zu haben. Fehlurteile sind schließlich schon genug gefällt worden.

Es ist wichtig, Jesus selbst "anzuhören" und nicht nur das zu übernehmen, was andere über ihn sagen. Da ist schon viel zu viel Unfug erzählt worden. Im Namen Gottes wurde schon viel Unrecht verübt. Die aktuellen Vorgänge aus dem islamischen Umfeld machen nur allzu deutlich, was man mit verkehrten Vorstellungen alles anrichten kann. In vielen Jahrhunderten war es mit dem Christentum ähnlich bestellt.

Was wäre das für ein Weihnachten, wenn man sich in Ruhe mit den Reden von Jesus beschäftigte und über seine Worte nachdächte! Ganz persönlich, alleine oder mit ganz wenigen Menschen, mit denen man herzlich verbunden ist und die auch offen dafür sind, was Jesus uns sagen möchte. Je mehr Menschen dies tun, desto weniger müssten wir über Ungerechtigkeiten und über von Menschen verursachte Katastrophen klagen.

Weil es - nach dem biblischen Wort - dem Menschen nicht gelingen wird, eine gerechte Welt zu schaffen, wird Gott es schließlich tun. Die Adventszeit könnte man auch dazu nutzen, sich mit dem zweiten Kommen Jesu zu beschäftigen und zu erfahren, wie man sich darauf vorbereiten kann.

Man kann nicht glauben, dass Jesus wiederkommt? Dann ist das, was vor 2000 Jahren geschehen ist, auch nicht glaubhaft. Dann kann man das, was Jesus damals über sich selbst sagte, heute nicht ernst nehmen. Dann ist Bethlehem auch nur eine fromme Legende und Weihnachten steht für den größten Betrug! Es ist nicht so, dass es so einen riesigen Irrtum nicht geben könnte. Von vornherein kann man gar nichts ausschließen – das lehrt uns die Geschichte. Aber nichts wäre tragischer, als wenn man die Wahrheit ablehnte und einem Irrtum erläge.

"Denn was neu ist, wird alt, und was gestern noch galt, stimmt schon heut oder morgen nicht mehr ..." - das mag bei Menschen so sein. Wie gut, dass es aber Dinge und Werte gibt, die sich niemals ändern. Auch wenn es heute schon fast utopisch klingt, aber Liebe und Wahrheit müssen kein Ablaufdatum haben. In Verbindung mit dem Schöpfer sind es ewige Werte, die uns in eine unglaubliche Zukunft führen werden. Wir sind eingeladen, diese Reise mitzuerleben. Niemand muss wirklich unwissend bleiben, wohin die Reise gehen wird. Nehmen Sie eine Bibel und lesen Sie in den ruhigen Tagen das vierte Buch der Evangelien im Neuen Testament! Ich wünsche Ihnen wertvolle Momente, die weit über ein Fest hinausgehen.

Autor: Pierre Intering

Artikel-Bildnachweis: © 8213erika/istockphoto