Artikel aus dem Hope Magazin

01.03.2022

Anja hat’s ausprobiert

Saisongarten

Bild zum aktuellen Blog-Eintrag

 

Ein Saisongarten von zwei mal zwanzig Metern ist die perfekte Möglichkeit, um zu schauen, ob das Gärtnern so schön ist, wie man es sich immer vorstellt. „So schlimm kann das ja nicht werden“, dachte ich. Nun, zwei Meter sind nicht breit, aber zwanzig Meter ganz schön lang, wenn man als Neu-Gärtnerin ein Stück Land zu bewirtschaften hat.

Saisongarten ist dabei ein etwas irreführendes Wort. Vielmehr ist es ein Feld, das in Parzellen unterteilt ist, auf denen schon Saatgut eingesät ist. In den Startlöchern stehen Karotten, Kartoffeln, Mais, Pastinaken, Rote Beete und noch vieles mehr. Später kommen noch die Setzlinge wie Mangold, Salat oder Fenchel hinzu. Zusätzlich gibt es auf der Parzelle noch einige Quadratmeter zur freien Gestaltung. 

Für meinen Saisongarten zahle ich 100 Euro Miete. Saatgut, Wasser und Gartengeräte sind inklusive. Ein fairer Preis, die Beratung vom Bauern, der alles organisiert und bewirtschaftet, ist nämlich auch noch dabei. 

Mein größter Feind: der Ackerschachtelhalm

Die Saison startet am 1. Mai. Alles, was ich am Anfang tun muss, ist die Keimlinge von Unkraut zu unterscheiden. Für Newbies wie mich hat unser Bauer Fotos von Keimlingen gemacht, damit wir sie nicht aus Versehen ausrupfen. Die ersten zwei Monate sind ziemlich stressig, denn das Unkraut wächst schneller als die Keimlinge und mein größter Feind ist der Ackerschachtelhalm. Später erkenne ich die Pflanzen gut, es kommen allerdings Fressfeinde wie Schnecken hinzu. Und das Wetter: zu viel Sonne, zu wenig Regen, Starkregen. 

Die Natur wird wichtiger und ich merke, wie abhängig ich von ihr bin. Während der Saison muss ich zwei bis dreimal in der Woche für zwei Stunden aufs Feld, allerdings kann man sehr viel mehr Zeit und Liebe investieren… denke ich bei mir, als ich die gepflegten Parzellen der Nachbarn bewundere. Auf der anderen Seite überlebt es mein Feldstück, dass ich mal zwei Wochen im Urlaub bin. Ich lerne viel: über das richtige Gießen, wie viel Arbeit in einer gut gepflegten Pflanze steckt und dass es eigentlich kein perfekt aussehendes Gemüse gibt. Hier wächst alles krumm und schief, schmeckt aber ehrlicher und ich kann die Möhre guten Gewissens auch ungeschält essen.

Bild vom Autor zum Weblog Anja hat’s ausprobiert

Autor: Anja Wildemann

fast vierzig, verheiratet mit Manuel, zwei Räubertöchter und immer das nächste Projekt im Kopf.