Artikel aus dem Hope Magazin

17.03.2026

Ein verlassener Bolzplatz als Büro

Ein Rucksack gefüllt mit Arbeitssachen, ein Schaffell zum Sitzen und ab geht's ins Büro.

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Büro meint heute an diesem windstillen, sonnigen Tag im Januar ein verlassener Bolzplatz irgendwo in den Bergen im Süden Portugals. Hier sitze ich auf dem sonnengebleichten roten Betonboden mit dem Fußballtor als Rückenlehne und dem Laptop auf dem Schoß; rings um mich herum liegen diverse Blätterstapel, Stifte, ein Kalender und ein Mobiltelefon. Ich schaue mich noch einmal um, lasse den Blick über den Spielfeldrand auf die vom Wind und Regen verformten Netze in den Toren schweifen und frage mich: Warum sitze ich hier an diesem maroden, menschenleeren Ort mit dem nagenden Gefühl, auf der Straße zu leben? Warum lebe ich momentan in einem Mercedes-Oldtimer-Van und fahre durch Europa auf der Suche nach einem Stück wilder Natur, um dieses gestalten und neu formen zu wollen? Warum suche ich die Arbeit, wo andere die Freizeit suchen? Was treibt mich da immer wieder an?

Ich bin Kommunikationsdesigner, aber liebe es genauso, irgendwo in einer Küche zu arbeiten, beim Reinigen zu helfen, Steine zu schleppen. Ja, ich liebe die Arbeit. Ich gehe mit Leidenschaft ans Werk. Wörter wie Freizeit, Feierabend oder Rente sind mir fremd. Ich will arbeiten, gut arbeiten, Freude an der Arbeit haben.

Ich habe auch erlebt, dass Arbeit zur Qual wird. Meist dort, wo ich nicht mehr Mensch sein darf, wo man einfach nur funktionieren sollen, sodass der Mensch sich nicht mehr mit dem Werk, dem Produkt oder der Dienstleistung verbunden fühlt. Schon in meiner Lehrzeit habe ich mich gegen so etwas aufgelehnt. Und vermutlich hat mich genau dieses Verlangen, selbst eingebunden zu sein, mitgestalten zu wollen, an diesen Ort heute gebracht. Ich beginne wieder neu – den Kopf voller Ideen und fast nichts in der Rückhand und doch mit unendlich viel Kraft und Zuversicht. Hier, auf diesem verlassenen Platz, spüre ich eine tiefe Gewissheit: Arbeit kann Erfüllung sein, kann Freiheit bedeuten, kann Leben schenken. Und diese Hoffnung trage ich in mir – für mich und für alle, die sich nach sinnvoller Arbeit sehnen. Ein neuer Anfang ist möglich. Immer.

Autor: Mario Reineking

... ist Kommunikations- und Interiodesigner, lebt und arbeitet momentan auf den Straßen Europas, bei Freunden und bei Fremden.