Artikel aus dem Hope Magazin
Frieden – Geschenk & Verantwortung zugleich
In unserer heutigen Welt ist es leicht zu vergessen, was Frieden ist.

Das vage Konstrukt aus „Nie wieder Krieg!“ und Waffenruhe zwischen Weihnachten und Neujahr, die sich im Herzen warm und geborgen anfühlt, ist einigen entweder völlig unbekannt, oder zwischen den Unruhen der letzten Jahre abhanden gekommen. Es gibt keine schöne, ästhetische Definition von Frieden. Für den einen ist es ein langjährig kriegsfreies Europa, während andere schon friedvoll lächeln können, wenn ihre Kinder ihnen Fotos aus einem besseren Leben schicken.
Die Kraft, die es braucht, um Frieden aufrecht zu erhalten, ist oft missverständlich hoch geschätzt. Europa hat hart für den „Frieden“ gekämpft – von der unruhigen und aufwühlenden Industrialisierung, hin zu zwei fast direkt aufeinanderfolgenden Weltkriegen und einer politischen Spaltung, die im Kalten Krieg zu einer fast irreversiblen Vernichtung der Erde geführt hätte – Aufrüstung, Bewaffnung, Atomtechnik, Stille. Zum Abfeuern der Vernichtungswaffen kam es hier zum Glück nie, und darum bin ich viel zu selten dankbar. Dann kamen die 2000er, 9/11, Flüchtlingswellen aus Nordafrika und Westasien, Menschen, die sich hier, im friedvollen Europa eine friedvollere Zukunft mit Perspektive gewünscht haben. Für manche wird es wahr, für viele nicht.
Doch eine Chance auf Frieden war und ist es wert, Heimat und Familie hinter sich zu lassen und innerlich zu beten, dass man ein Dach über den Kopf und eine Mahlzeit bekommt. Viele von Ihnen hätten nie vor der Entscheidung stehen müssen, hätte Frieden geherrscht.
Mein Frieden ist es, morgens die Jalousinen hochzuziehen und meinen Kaffee am offenen Fenster zu trinken, bevor ich mich für die Arbeit fertig mache. Manchmal auch, mit dicken Wintersocken im Herbst auf dem Balkon zu lesen und mich in einer Welt zu verlieren, die ich mir nicht realistisch denken muss. Mit Papa telefonieren, während eine Kerze auf meinem Schreibtisch leuchtet, oder abends früher ins Bett zu können, wenn ich müde bin.
Frieden ist Geschenk und Verantwortung zugleich. Sind wir bereit ihn anzunehmen und zu tragen?
„Wer zum Glück der Welt beitragen möchte, der sorge zunächst einmal für eine glückliche Atmosphäre in seinem eigenen Haus.“ - Albert Schweitzer
Autor: Klara Tiesler
