Artikel aus dem Hope Magazin

27.11.2025

Jesus versus Satan

Schwarz gegen weiß, gut gegen böse, dunkel gegen hell, Held gegen Bösewicht. So funktionieren gute Blockbuster in der Regel.

Bild zum aktuellen Blog-Eintrag

 

Ein bisschen Nervenkitzel, wenn ich das Treiben des Bösewichts betrachte und trotzdem die Gewissheit, dass das Gute siegt. Ob der Kampf zwischen Retter und Zerstörer funktioniert, hängt auch vom Drehbuch ab. Die Bibel bietet da beachtliches Potenzial.

Der Böse

Nach einem paradiesischen Anfang der Weltgeschichte mischte sich die Schlange, die erste Verkörperung des Bösen, als Versucher und Zerstörer ins Geschehen ein. Den Menschen wurden die Augen geöffnet; sie erkannten plötzlich, dass es Gut und Böse gibt und nach und nach, welche Ausmaße das nach sich zog. Denn plötzlich mischten sich Misstrauen und Beschuldigungen in ihre Beziehungen, sowohl zu Gott, dem Schöpfer, als auch untereinander.

Danach taucht der Name Satan im Alten Testament 27 Mal auf. Er bedeutet Feind oder Widersacher. Im Neuen Testament wird er entweder als Teufel (griech. diabolos, 36 Mal) oder als Satan (37 Mal) bezeichnet. Andere Namen lauten: Der Feind, der Böse, Ankläger, Drache, Verderber, die alte Schlange, der Versucher und noch einiges mehr.

Diese diffuse Namensgebung entspricht dem Wesen des Bösen. Denn sobald man den Namen von etwas weiß, kann man es begreifen. Genau dieses Benennen, Begreifen und Beherrschen widerstrebt dem Bösen. Es muss im Dunkeln, im Verborgenen bleiben, sonst könnte man es durchschauen und sich bewusst dagegen entscheiden. Stattdessen zeigt es sich immer nur in Auszügen und immer reizvoller, als es in Wirklichkeit ist. Macht, Erkenntnis, Schönheit. Die ganze Wahrheit, also die Schattenseiten und Abgründe, sieht man erst, wenn man vielleicht schon zu tief drinsteckt.

Was macht Satan so böse? Er zerstört, was dem Menschen guttut, in dem er Misstrauen sät und Menschen manipuliert, nach negativen Prinzipien zu handeln (bestimmt von Egoismus, Neid, Eifersucht, Machtstreben), um sie von Gott, vom Guten, von einem erfüllten Leben abzuhalten.

Der Gute

Jesus – der Gegentypus zu Satan. Der Held, der Retter, Erlöser. Sein Name kommt 905 Mal im Neuen Testament vor. Er wird in einem Stall in ärmlichen Verhältnissen geboren; das ist tatsächlich ein Element des Helden wie er im Buche steht. Aber Jesus ist mehr der Mahatma-Ghandi-Typ, mehr der friedenstiftende Gute als der strahlende Held auf dem Podest. Er ist mittendrin, begegnet den Menschen auf Augenhöhe und möchte ihr Leben positiv beeinflussen. Er baut sich kein bestimmtes Image auf, sucht den Applaus oder das Scheinwerferlicht; er handelt offen und transparent ohne Maske oder den Schutz der Nacht.

Was macht ihn zum Helden?

1. Er stirbt am Ende.

Ja, für einen Kinofilm wäre das ein klassisches Motiv: sich selbst opfern zum Wohl oder Weiterbestehen der Gemeinschaft. Und dennoch: wer ist so sehr davon überzeugt, woran er glaubt, dass er dafür den Tod in Kauf nehmen würde?

2. Er ist ein Opfer, aber verhält sich nicht wie eins

Es gäbe viel zu sagen über Jesus als Opfer. Damit ist allerdings keine Beschimpfung gemeint, sondern, dass er sich tatsächlich für die Zukunft der Menschen hat umbringen lassen. Jesus ist das finale Opfer, derjenige, der alles wiedergutmacht und durch den wir eine Beziehung zu Gott aufbauen können. Er hat das unter widrigsten Umständen mit erhobenem Haupt und einer Würde getan, die ihresgleichen sucht.

3. Er hält sich an seine Prinzipien

… und die sind dem Menschen und Gott zugewandt. So jagt Jesus beispielsweise Leute aus dem Tempel, dem heiligen Ort, weil sie ihn mit ihren betrügerischen Geschäften entweiht und so andere abgehalten haben, zu Gott zu kommen. Er hält sich nicht immer an die gängigen Regeln, besonders wenn sie nur Formalien betreffen, und macht sich damit natürlich auch unbeliebt. Als er am Sabbat, dem heiligen Ruhetag, jemanden geheilt hat, gingen einige Leute an die Decke, weil das nicht ihrem Verständnis davon entsprach, was sich an diesem Tag gehört. Jesus aber zieht das dennoch durch, weil ihm Menschlichkeit viel wichtiger ist.

4. Er macht sich selbst klein

Eine der beeindruckendsten Szenen ist sein letztes Abendmahl, als er seinen Leuten die Füße wäscht, obwohl er der Lehrer, der Anführer, der Boss ist. Eigentlich müsste es umgekehrt sein, aber er lässt sich eben nicht die Füße küssen, sondern wäscht sie anderen. Er hat so viel innere Größe, dass er keine äußerliche oder formale Huldigung braucht und zeigt dadurch, dass anderen Gutes zu tun, und die eigenen Interessen mal zurückzustellen, viel eindrucksvoller und nachhaltiger ist.

Der Showdown

Als Jesus und Satan direkt aufeinandertreffen, sind die Voraussetzungen für Jesus denkbar schlecht, er hatte nämlich zuvor 40 Tage gefastet. Satan versucht nun, Jesus auf seine Seite zu ziehen, in dem er dessen vermeintliche Schwachpunkte ausnutzt. An drei Punkten probiert er es:

1. Satan schlägt Jesus vor, aus den umliegenden Steinen Brot zu machen, damit er etwas in den Magen bekommt.

Ziemlich offensichtlich dieser erste Vorstoß. Einer hat ewig nichts gegessen, natürlich versucht man, ihn damit zu ködern. Essen ist für uns Menschen etwas Existenzielles. Auch wenn sie lustig gemacht ist, aber an dem Snickers-Werbespruch „Du bist nicht du, wenn du hungrig bist!“ ist schon was dran – im Ernst.

2. Satan fordert Jesus auf, vom Tempel runterzuspringen, da er ja darauf vertrauen könne, dass Gott ihn beschützt und z. B. Engel schicken würde.

Das Perfide an den Versuchungen von Satan ist, dass sie inhaltlich wahr sind; Jesus hat die Macht, aus Steinen Brot zu machen und Gott würde ihm helfen. Aber die Motivation, diese Macht einzusetzen, ist entscheidend. Jesus würde diese Dinge für sich tun, aus Eigennutz und quasi just for fun – und das wiederum ist das Prinzip Satans. Jesus will seine Macht aber für die Menschen und für das Gute einsetzen, nicht, um nur mal zu testen, ob Gott reagiert.

3. Satan verspricht Jesus Macht, Reichtum und Anerkennung, wenn er ihn anbetet.

So wie Jesus bis zu dieser Begegnung gelebt hatte, wird ziemlich deutlich, dass genau diese drei Dinge, die oberflächlich gesehen einen typischen Herrscher ausmachen, nicht sein Ding sind. Jesus hat Nächstenliebe und einen friedvollen Umgang miteinander vorgelebt; er war bei den Menschen, hat ihre Probleme gesehen und geholfen, wie und wo er konnte. Es ging ihm nie um Prestige, sondern darum zu zeigen, wie Gott ist: pure Liebe. Und genau diese starke Verbindung zwischen Jesus und Gott, seinem Vater, würde zerbrechen, wenn er sich Satan anschließt und zum weltlichen Diktator wird. Das konnte er nicht tun.

Fazit

Achtung Spoiler: Im Kampf zwischen Gut und Böse, zwischen Jesus und dem Teufel gewinnt Jesus. Aber nicht, in dem er die typischen Methoden anwendet, sich beliebt zu machen und Aufmerksamkeit zu bekommen. Auch nicht, in dem er durch körperliche Stärke zeigt, dass er die Nummer 1 ist. Jesus macht es anders, mit Liebe im Herzen – für Gott und für die Menschen. Wenn Neo im Film Matrix seinen Erzfeind Mr. Smith zwischenzeitig besiegt, ist das ein kurzer Moment der Freude, der Erleichterung, eine Bestätigung seiner Fähigkeiten und Identität. Doch dass er sich am Ende für den Frieden zwischen Menschen und Maschinen selbst opfert, ist ein viel beeindruckender und bedeutungsvollerer Sieg, weil hier die Wertschätzung und Liebe zum anderen – nicht zu sich selbst – an erster Stelle stehen. Das Gute tritt zwar oft leiser auf, ist aber letzten Endes stärker.

(Dies ist eine gekürzte und leicht veränderte Version des ursprünglich 2018 im present-Magazin, Ausgabe 5 „Das Böse“, erschienenen Artikels)

Bild vom Autor zum Weblog Jesus versus Satan

Autor: Nicole Spöhr

... mag die komplexen, problematischen Geschichten viel lieber als das stereotype Heldenepos, zumindest im Kino.

Artikel-Bildnachweis: Espion - gettyimages.de