Artikel aus dem Hope Magazin

28.11.2021

Mose – erfolgreich oder gescheitert?

Verschiedene Facetten des Erfolges

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Es gibt in der Bibel kaum eine so detailliert beschriebene Lebensgeschichte wie die von Mose. In drei Bibelbüchern – vom 2. Buch Mose bis zu seinem Tod in 5. Mose 34 – wird dem Leser das turbulente Auf und Ab dieses ganz besonderen Mannes vor Augen geführt. Zwar wirken manche der damaligen Ereignisse befremdlich auf einen Westeuropäer im 21. Jahrhundert, doch viele Motive und Prinzipien lassen sich auch auf die heutige Zeit übertragen. Das Thema Erfolg und Niederlage ist so ein roter Faden, der sich durch Moses Leben zieht. Wie lernt man, mit Erfolg richtig umzugehen und wie definiert man ihn überhaupt? Oder ist das etwas, das einem von anderen, von außen zugesprochen wird?

Mose hat in seinem Leben viele außergewöhnliche Dinge erlebt. Auf manches hatte er Einfluss, auf anderes nicht, und was Sieg oder Niederlage war, konnte man auf den ersten Blick manchmal gar nicht so klar erkennen.

Der Beginn – schon fast das Ende

Kaum hatte Mose das Licht der Welt erblickt, hing sein Leben durch den Tötungserlass vom Pharao bereits am seidenen Faden. Seine Geschichte schien zu enden, bevor sie überhaupt richtig angefangen hatte. Diese Dramatik sollte kennzeichnend im Leben von Mose werden. Ausgerechnet von der Tochter des Pharaos wurde das Leben des Neugeborenen gerettet. Welch Ironie! Der Mordbefehl wurde von seinem engsten Familienkreis unterlaufen. Und nicht nur das; die Prinzessin übergab das Baby sogar für die ersten Jahre seiner leiblichen Mutter zur Fürsorge. Als er schließlich alt genug war, wurde Mose an den ägyptischen Hof gebracht und als Sohn der Tochter des Pharaos adoptiert.

Dadurch, dass er bei seinen eigenen Eltern aufwuchs, war Mose seine israelitische Herkunft bekannt und vertraut. Er vergaß nie, woher er kam, auch wenn er nun am ägyptischen Hof im Sinne des Pharaos erzogen wurde. Als er eines Tages miterlebte, wie brutal und ungerecht ein ägyptischer Aufseher mit dem versklavten Volk seiner Vorfahren umging, sah er rot und erschlug ihn. Doch schon am nächsten Tag wurde sein – wenn auch fragwürdiger – Teilerfolg selbst von den eigenen Landsleuten nicht gutgeheißen: man klagte Mose an und hätte ihn wohl getötet, wenn er nicht in Panik aus Ägypten geflohen wäre. Hier schien seine Erfolgsgeschichte nun tatsächlich zu Ende zu sein.

Ein neuer Start

Auf seiner Flucht kam Mose in Midian zu Reguël, der ihm seine Tochter Zippora zur Frau gab, mit der Mose eine Familie gründete. Für ihn waren diese Jahre eine Art unbewusste Vorbereitung für die nächsten Aufgaben. Nach einigen Widerständen seinerseits, wurde Mose schließlich von Gott ge- und berufen. Er sollte wieder nach Ägypten gehen und das Sklavendasein seines Volks beenden.  Der Pharao lehnte die Forderung von Mose, das Volk für ein paar Tage zum Gottesdienst in die Wüste ziehen zu lassen, natürlich strikt ab und erhöhte den Druck auf seine Sklaven, indem er ihnen noch höhere Arbeitsleistungen abverlangte. Als Folge lehnten sich die Hebräer nun gegen Mose auf, weil er sie nicht nur nicht befreite, sondern alles nur noch schlimmer machte. Mose haderte selbst mit dieser Situation. Seine Mission war schon wieder gescheitert – zumindest hatte es den Anschein.

Sieg auf ganzer Linie

Mose wird schließlich zusammen mit seinem Bruder Aaron von Gott beauftragt, dem Pharao die Plagen anzukündigen. Jede einzelne davon sollte dem Despoten Gottes Macht zeigen und ihm die Möglichkeit geben, seine Grausamkeiten zu beenden. Unter dem Eindruck dieser Plagen versprach der Pharao wiederholt, das Volk ziehen zu lassen, machte aber seinen Beschluss immer wieder rückgängig, sobald die jeweilige Plage aufhörte. Was nach Erfolg aussah, war Augenblicke später nichts mehr wert. Erst bei der letzten Plage, als alle Erstgeborenen von ganz Ägypten starben, kapitulierte der Pharao und ließ das Volk ziehen. Es muss ein gewaltiger Aufbruch gewesen sein. Erfolg auf der ganzen Linie!

Ein Auf und Ab

Der Pharao bereute seinen Beschluss kurze Zeit später und jagte Mose und seinem Volk nach, das vor den Ufern des Meeres in der Falle zu stecken schien. Sollte so die wundersame Befreiung enden? Doch dann wurden die Israeliten durch die Teilung des Meeres gerettet und das ihnen nachjagende Heer kam in den sich wieder zusammenschlagenden Fluten um. Doch keine Niederlage für Mose, sondern jetzt versprach die Mission wieder vollen Erfolg.

Dieses Auf und Ab wechselte sich noch viele Jahre in der Geschichte des befreiten Volkes Israel ab und forderte Moses Geduld immer wieder heraus. Doch er wusste, dass er sich auf Gottes Versprechen und seine Führung verlassen konnte.

Verschiedene Facetten des Erfolges  

Die Geschichte von Mose enthält viele Erkenntnisse und Lehren, die auch heute noch gelten. So kann manches, das nicht sehr verheißungsvoll beginnt, durchaus triumphal enden – oder umgekehrt. Und jemand, der Erfolg hat, ist vor Phasen des Scheiterns nicht gefeit. Erfolg hängt nicht nur von einem selbst ab und liegt oft im Auge des Betrachters. 

Die Lebensgeschichte von Mose zeigt, dass sich die Bibel nicht als romantisch-kitschige Romanvorlage eignet. Sie zeigt Leben und Überleben, Sieg und Niederlage, Erfolg und Scheitern – wie es damals war und auch heute noch ist. Und sie zeigt einen Gott, der mittendrin ist, der nicht aus der Distanz beobachtet und bewertet, sondern an der Seite der Menschen steht, der ermutigt, aufhilft, tröstet und motiviert. Weil er die Menschen liebt und es gut mit uns meint.

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Autor: Piere Intering

Chefredaktion Hope Magazin

Artikel-Bildnachweis: boygovideo – gettyimages.de