Artikel aus dem Hope Magazin
Wenn Freude fliegt und Optimismus trägt
Inmitten all der Dinge, die wir täglich tun, erledigen, aushalten und organisieren, verlieren wir manchmal den Blick für das, was uns wirklich trägt ...

Inmitten all der Dinge, die wir täglich tun, erledigen, aushalten und organisieren, verlieren wir manchmal den Blick für das, was uns wirklich trägt: die leisen, stärkenden Kräfte von innen. Freude und Optimismus sind solche Kräfte. Sie sind wie zwei Seiten einer Medaille – unterschiedlich in ihrer Natur, aber eng miteinander verbunden. Die eine leuchtet, die andere hält.
Wenn das Herz lächelt
Es gibt Momente, da berührt etwas unser Herz – ganz leise, fast unscheinbar. Ein Augenblick der Stille, ein Blick aus dem Fenster, ein Lied aus vergangenen Zeiten, ein Kinderlachen, eine Umarmung, ein Lächeln, das warme Licht der Morgensonne, das Singen der Amsel, Barfußlaufen durchs Gras, der Duft frischer Kräuter – und plötzlich ist sie da: Freude. Nicht laut, nicht aufdringlich – sondern ein zarter Hauch.
In einer Welt, in der alles schneller, lauter und perfekter werden soll, wirkt echte Freude fast wie ein Wunder. Sie erinnert daran, dass das Leben nicht nur aus To-do-Listen und Verpflichtungen besteht. Freude ist ein Gefühl – emotional und körperlich spürbar. Sie kommt oft dann, wenn wir sie am wenigsten erwarten, und verwandelt einen gewöhnlichen Augenblick in etwas Wunderbares. Man kann Freude erleben, ohne vorher darüber nachzudenken. Sie ist eher im Herz als im Kopf spürbar. Freude ist einfach da, wenn wir sie zulassen.
Freude ist wie Fliegen – sie erhebt uns, ohne dass wir genau wissen, wie. Sie trägt uns für einen Moment über den Alltag hinaus.
Der Mut, hell zu sehen
Doch was geschieht, wenn das Leben schwer wird? Wenn die Freude sich nicht blicken lässt? Dann braucht es etwas anderes, das uns hält. Kennen Sie den Spruch: „Pessimisten stehen im Regen. Optimisten duschen unter den Wolken.“? Ich weiß nicht, von wem er stammt, aber er veranschaulicht auf bildhafte Weise eine wichtige Wahrheit: Optimistisch zu sein, ist keine Frage der äußeren Umstände – es ist eine Entscheidung. Die Lebenssituation ist gegeben – aber wie entscheide ich mich, sie zu betrachten?
Optimismus fragt nicht: „Wie fühle ich mich?“ Sondern: „Worauf richte ich meinen Blick?“ Echter Optimismus ist nicht oberflächlich. Er ignoriert die Probleme nicht, sondern begegnet ihnen mit einer inneren Haltung, die Erich Kästner treffend beschreibt: „Auch aus Steinen, die dir in den Weg gelegt werden, kannst du etwas Schönes bauen.“
Wer optimistisch ist, schaut der Realität ins Gesicht – aber mit der Hoffnung im Gepäck.
Fliegen lernen – mitten im Leben
An dieser Stelle möchte ich Ihnen von meinem 50. Geburtstag erzählen. Auf dem Geburtstagstisch lag unter anderem ein Briefumschlag meiner besten Freunde. Als ich ihn öffnete, entdeckte ich einen Gutschein für einen Tandem-Gleitschirmflug. Ich war sprachlos – bis dahin war ich noch nie mit einem Flugzeug geflogen, und nun gleich so etwas?
Mein Erstaunen steigerte sich noch, als ich das Datum las: Der Flug sollte schon am nächsten Tag stattfinden. Meine Gefühle waren außer Rand und Band. Einerseits freute ich mich riesig, andererseits war ich aufgeregt und ängstlich. Ich sollte mich an einen Gleitschirm hängen und durch die Lüfte schweben? Unvorstellbar!
Am nächsten Tag lernte ich meinen Fluglehrer kennen, erfuhr etwas über ihn und seine Erfahrungen. Dann schnallte er mir einen großen Rucksack auf den Rücken – darin sei der Gleitschirm, erklärte er mir. Der Rucksack war schwer, und ich wunderte mich, dass mein Fluglehrer einen viel kleineren trug. Als ich ihn darauf ansprach, sagte er: „In deinem Rucksack ist der Gleitschirm. Du möchtest doch fliegen.“ – Ein Argument, das mich zum Nachdenken brachte.
Zunächst fuhren wir mit der Seilbahn auf den Berg. Von dort mussten wir noch ein gutes Stück laufen. Der unhandliche Rucksack machte das Gehen beschwerlich. Am Startplatz angekommen, durfte ich ihn endlich ablegen und er wurde ausgepackt. Zuerst sah ich unzählige dünne Schnüre, dann kam der Gleitschirm zum Vorschein. Mein Fluglehrer breitete alles aus, ordnete die Schnüre, kontrollierte sorgfältig – und dann begann die Einweisung.
Ich musste in den geöffneten und umgedrehten Rucksack steigen, der mich wie eine überdimensionale Hose umschloss. Die Startstellung war wichtig: Schrittstellung mit leicht nach vorn geneigtem Oberkörper, angewinkelte Arme. Mein Fluglehrer stand direkt hinter mir. Die Bereitschaft zum Fliegen bedeutete: Er würde den Wind prüfen und mich bei idealen Bedingungen fragen, ob ich bereit sei. Erst bei meinem Ja würde er rufen: „Lauf!“ Außerdem erklärte er mir, dass ich das Tempo mit meinem Lauf angeben müsse, damit sich der Gleitschirm öffnet. „Na prima“, dachte ich, „was habe ich mir da nur eingehandelt?“
Dann: Startstellung. Warten auf günstigen Wind. Plötzlich wie ein Paukenschlag: „Bist du bereit?“ – „Ja.“ – „Lauf!“ – Ich lief, aber zu langsam. Der Schirm öffnete sich nicht richtig. Nächstes Kommando: „Abbruch.“
Also: Alles neu. Schnüre entwirren, Schirm auslegen, prüfen. Startstellung. Warten. Die Spannung stieg.
Wieder die Frage: „Bist du bereit?“ – Ich: „Ja!“ – Die Aufforderung: „Go, Go, Go, Go!”
Ich rannte los und spürte sofort den riesigen Widerstand des Schirms. Er zog mich zurück. Für einen Moment wollte ich stehen bleiben – es war zu schwer. Doch dann kam mir die Frage wieder in den Sinn: „Bist du bereit?“
Ja, ich war bereit. Ich hatte mich entschieden. Also rannte ich weiter – und plötzlich … schwebte ich in der Luft.
Ich war sprachlos, überwältigt. Unter mir sah ich den Weg, den wir gelaufen waren. Schafe auf der Wiese. Kleine Menschen. Baumspitzen. Weite. Freiheit. All das, was vorher schwer war, war vergessen – ich konnte nur noch staunen.
Neuer Blick
Dieser Flug begleitet mich bis heute. Immer, wenn ich feststecke, mich im Kreis drehe oder nur noch Dunkles sehe, erinnere ich mich daran: Ich kann mich für einen Perspektivwechsel entscheiden. Das hilft mir, neue Wege zu erkennen, die ich vorher nicht wahrgenommen habe. Es braucht Mut, ja. Und Vertrauen. Aber es lohnt sich.
Optimismus ist eine bewusste Denkweise, die davon ausgeht, dass Herausforderungen lösbar sind und dass Rückschläge vorübergehen. Man kann sich immer wieder neu entscheiden, sich nicht von den Schwierigkeiten überwältigen zu lassen, sondern den Blick zu heben.
Diese Entscheidung liegt bei Ihnen. Seien Sie mutig und machen Sie sich mit Ihrem Rucksack auf den Weg. Ja, er mag schwer sein und der Weg steinig – aber Sie werden die Welt neu und anders sehen.
Zwei Kräfte, die tragen
Freude und Optimismus sind nicht dasselbe – aber sie sind miteinander verwandt. Freude kommt und Optimismus bleibt – wenn wir ihn üben. Beide stärken unsere mentale Widerstandskraft und unser Immunsystem. Beide sind eng verbunden mit Dankbarkeit und wir wachsen durch sie. Beide verändern uns – denn wo Freude und Optimismus gelebt werden, wächst Vertrauen. Gemeinsam werden sie zu einem inneren Kompass, der uns durch jede Zeit trägt. Nicht immer mit Leichtigkeit – aber mit Tiefe. Mit Sinn. Und mit Hoffnung. Und genau das ist es, was wir brauchen, um in dieser Welt nicht nur zu bestehen, sondern sie auch ein kleines Stück heller zu machen.
Kennen Sie Ihre Kraftquelle
Ich persönlich habe eine Kraftquelle, aus der ich täglich schöpfen darf. Nicht nur an guten Tagen – sondern gerade dann, wenn das Leben laut oder schwierig wird. Diese Kraftquelle ist nicht sichtbar, nicht greifbar – und doch erlebe ich sie realer als alles andere: Es ist mein Gott. Ein Gott, der mich liebevoll anschaut, der mich kennt und versteht. Bei ihm darf ich so sein, wie ich bin – ehrlich, manchmal auch ratlos, aber nie allein. Er schenkt mir Frieden inmitten von Chaos, Hoffnung inmitten von Fragen und eine stille Freude, die bleibt. Seine Nähe lässt mich jeden Tag neu aufstehen – mit Vertrauen, mit einem Lächeln, mit dem Mut zum nächsten Schritt.
- Wenn Freude fliegt und Optimismus trägtAudio-Datei zum Anhören dieses Artikels.

Autor: Bettina Werner
Physiotherapeutin und DVG-Gesundheitsberaterin
Bettina entdeckt die Welt gern mit allen Sinnen – sehen, hören, fühlen, schmecken, schnuppern. Sie begeistert, wie wunderbar Gott alles geschaffen hat und dass sie staunend erleben und genießen kann.
Artikel-Bildnachweis: darwel - gettyimages.de
