Artikel zum Thema "Ausprobiert"

30.05.2025

Pilgern - Beate hat‘s ausprobiert

Nach einem kurzen Probepilgern in meiner Heimat startete ich im September 2019 von Porto nach Santiago de Compostela.

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Pilgern – das wollte ich ausprobieren. Nach einem kurzen Probepilgern in meiner Heimat startete ich im September 2019 von Porto nach Santiago de Compostela – 260 Kilometer machbar in zehn Tagen. Alles Nötige hatte ich genau durchdacht und in meinem Rucksack verstaut. Ich nahm mir etwas mehr Zeit, um Porto, Santiago und Finisterre – das „Ende der Welt“ – zu sehen. Und tatsächlich: Ich habe es geschafft! Ohne größere Blessuren, aber mit vielen schönen Eindrücken und Emotionen.

Wie sieht ein Pilgertag aus?

Früh aufstehen, bei Hitze möglichst zeitig den Rucksack packen, irgendwann unterwegs frühstücken – mit leerem Magen läuft es sich besser. Eine Unterkunft suchen, duschen, Wäsche waschen, abends die Umgebung erkunden, essen gehen oder mit anderen Pilgern zusammensitzen und sich mit Händen und Füßen verständigen. Und das Tag für Tag. Jeden Abend ein anderes Bett, oft ein Zimmer mit bis zu zehn Pilgern – und die besondere Erfahrung unterschiedlicher Gerüche und Geräusche! Genau so wollte ich es erleben.

Unterwegs trifft man immer wieder Mitpilger. Jeder geht in seinem Tempo. Neben dem Rucksack trägt jeder auch ein Päckchen mit sich, das das Leben ihm gepackt hat – oft gefüllt mit den unterschiedlichsten Beweggründen fürs Pilgern. Auch mir liefen an meinem einzigen Regentag plötzlich die Tränen. Sie befreiten mich, ich konnte loslassen, mein Päckchen wurde leichter.

Am letzten Morgen…

… fragte ich mich, warum ich mir das eigentlich antue – jeden Tag in einem anderen Bett aufwachen, meine paar Sachen in den Rucksack stopfen, obwohl ich zu Hause doch mein eigenes Bett und alle Annehmlichkeiten habe. Doch daheim empfand ich es plötzlich erdrückend, vor dem vollen Kleiderschrank zu stehen und mich zu fragen: „Was ziehst du heute an?“ Beim Pilgern gibt es nur zwei Outfits – heute das eine, morgen das andere, dann wieder im Wechsel. Und genau das macht das Pilgern so befreiend: dieser Minimalismus, sich auf das Wesentliche zu beschränken und tagsüber mit sich und seinen Gedanken unterwegs zu sein.

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Autor: Beate Härdter

... arbeitet als MFA in der Universitäts-Augenklinik Erlangen. In ihrer Freizeit fährt sie gerne E-Bike und engagiert sich ehrenamtlich als Hospizbegleiterin.