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Jesus bückte sich und schrieb ...
... mit dem Finger auf die Erde! Das war die Reaktion von Jesus auf eine Auseinandersetzung mit den damaligen Theologen und religiösen Leitern.
Sie hatten eine Frau beim Ehebruch ertappt, und wollten nun wissen, was Jesus darüber denkt, wenn man sie hinrichtet. Denn damals stand auf diese Tat die Todesstrafe. Sie erwähnen eben dieses Gesetz, und fragen, ob Jesus dem zustimmt. Zumindest sollte es nach außen so aussehen. Aber eigentlich wollten sie ihm eine Falle stellen. Und Jesus? Der bewahrt in dem ganzen Trubel die Ruhe. Man stelle sich das mal vor: eine Reihe angesehener Männer zerren eine Frau mit sich, die sie lauthals anklagen. Alle reden durcheinander. Eine Menschenmenge bildet sich um diese ungewöhnliche Gruppe, neugierig, was jetzt passieren würde.
Und Jesus sagt erstmal gar nichts. Er bückt sich still und fängt an, mit seinem Finger auf die Erde zu schreiben. Statt den Männern ebenfalls lautstark zuzustimmen, bleibt er ruhig. Doch weil sie nicht aufhören, auf ihn einzureden, antwortet er schließlich: „Wer von euch noch nie gesündigt hat, soll den ersten Stein werfen“ (Johannes 8,7 Hoffnung für alle). Und dann schreibt er weiter. War es die Sünde der Frau, die er da auf die Erde schreibt? Aber dann passiert etwas Seltsames. Die Männer lassen ihre Steine fallen und gehen davon – einer nach dem anderen. Was hat Jesus denn da auf die Erde geschrieben?
Vielleicht waren es ja die Sünden der Männer, und als sie das lesen, wird ihnen klar, dass keiner von ihnen eine weiße Weste hat, und somit keiner das Recht, diese Frau zu verurteilen. Bald sind nur noch Jesus und die Frau übrig. Und auch er verurteilt sie nicht, sondern ermutigt sie.
Jesus zeigte Mitleid mit der Frau, aber auch mit ihren Anklägern. Denn wenn das wirklich deren Sünden waren, dann waren sie leicht wieder wegzufegen. Jesus hätte den Männern ihre Verfehlungen auch genauso laut an den Kopf werfen können, wie sie es bei der Frau taten, aber er entscheidet anders und lässt so beiden Parteien ihre Würde.
Und das sind die Lehren, die ich für mich daraus ziehe: ruhig bleiben, einfühlsam bleiben, und, wo nötig, Mitleid zeigen.
- Jesu Reaktion auf AuseinandersetzungenAudio-Datei zum Anhören dieses Artikels.
Artikel-Bildnachweis: PeteWill - gettyimages.de
