Artikel zum Thema "Leben"

30.05.2025

Hejdå! - Sechs Wochen Schweden!

Mein Bericht über einen Familienurlaub im Land meiner Urlaubsträume!

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Genau vor einem Jahr war ich mit meiner Familie in Schweden. Im Wohnwagen haben wir Südschweden erkundet, sind in eiskalten Seen getaucht und haben die leckersten Zimtschnecken gegessen.

Schweden ist das Land meiner Urlaubsträume, seit ich vor 20 Jahren für sechs Monate in Göteborg studiert habe. Als mein Mann Manuel und ich fünf Wochen Zeit haben, steht fest: wir wollen in den Norden! Die Eckdaten: Im Wohnwagen durch Südschweden. Auf gar keinen Fall Stress. Auf jeden Fall zur Astrid-Lindgren-Welt in Vimmerby. Den Wohnwagen leihen wir von Freunden. Am 12. Mai geht es los – fünf Wochen Freiheit. 7:30 Uhr legt die Fähre nach Trelleborg ab und es fühlt sich wirklich so an, als würde man sich selbst und sein Leben ein wenig zurücklassen.

Stellplatz Nr. 40

Der erste Campingplatz in Urshult ist direkt ein Volltreffer. Wir stehen oberhalb eines Sees, besser gesagt, am südlichsten Teil von einem riesigen Wasserschutzgebiet, dem Åsnen. Wir nehmen uns vor, mit maximal einer Aktivität am Tag die Umgebung zu erkunden. So geht es in den nächsten Tagen in den Åsnens Nationalpark, nach Lunnabacka mit den blühenden Apfelbäumen und nach Tingsryd, die nächstgrößere Stadt. Dort will meinem liebsten Urlaubshobby frönen: Second-Hand-Shopping. Darunter fallen auch Flohmärkte, schwedisches Stichwort: Loppis. Im Sommer findet man sie überall an den Straßen, auch in kleinen Orten.

Himmel auf Erden

Es ist unser erster Freitag in Schweden. Für schwedische Kinder und in diesem Fall auch unsere bedeutet das: Lösgodis. „Lösgodis“ sind unverpackte Süßigkeiten, die man im Supermarkt meist nahe der Kasse auf mehreren Regalmetern findet. Jeder darf seine eigene Godis-Tüte packen und für unsere Mädels ist das der Himmel auf Erden. Unser Highlight hingegen ist unsere Bootstour auf dem Åsnen: Wir leihen uns ein Motorboot und verbringen den Tag auf dem Wasser. Wir erkunden Mini-Inseln, versuchen Anlege-Manöver, die Große knotet das Boot fest und wirft den Anker. Manu ist glücklicher Skipper. Auf dem Rückweg entdecken wir eine Insel mit einer kleinen Sitzgruppe und beschließen für den Sonnenuntergang zurückzukehren.

Unser Wohnwagen, das Schneckenhaus

Wir haben uns bewusst fürs Wohnwagen-Reisen entschieden. Uns war es wichtig, dass die Kinder eine Base haben, einen Rückzugsort, etwas Stetiges – wenn wir schon selbst regelmäßig den Ort wechseln. Für uns eine gute Entscheidung, auch wenn man an den Reisetagen etwas Logistik hat: Grauwasser entsorgen, Markise einfahren, Sitzmöbel verstauen. An diesen Tagen planen wir nichts außer einpacken, reisen, auspacken.

Bei Pippi, Michel und Ronja

Nächster Stopp: die Astrid-Lindgren-Welt. Wir hatten viel gehört, aber wie schön und lohnenswert es wirklich werden würde, davon hatten wir keine Ahnung! Die Tickets sind teuer, aber wer die Möglichkeit hat, sollte es sich nicht entgehen lassen. Auf verschiedenen Bühnen werden den ganzen Tag Astrid-Lindgren-Stücke in Theaterqualität performt, davor und danach darf man die Bühnen betreten und Kulissen anfassen und überhaupt ist der gesamte Park extrem liebevoll und detailreich gestaltet.

Hejdå, Sommerhaus

Nachdem wir uns Gränna, die Insel Visingsö und Jönköping angeschaut haben, machen wir uns auf nach Gastorp nahe Mariestad, wo meine Freundin ihr Sommerhaus hat. Es ist der 27. Mai und der erste Regentag auf unserer Reise. Perfekt für Tee, selbstgemachten Rhabarber-Crumble und lange Gespräche. Die Kinder spielen, streiten und vertragen sich. „Så mysigt“, so gemütlich. Gemeinsam besichtigen wir Mariestad, werden in einem Sumpfgebiet beim Wandern von Mücken überfallen und gehen an den Strand – die Außentemperaturen erlauben es, aber egal wo: das Wasser ist und bleibt eiskalt.

Stadtluft in Örebro

Weiter geht es nach Örebro, ein bisschen Stadtluft schnuppern. Auch hier sind kinderfreundliche Unternehmungen möglich: Paddeln mitten durch die Stadt oder der Besuch auf der Kinder-Insel „Stora Holmen“. Viele Spielplätze in Schweden sind einfach next level: so schön, liebevoll und trotzdem robust gestaltet, dass wir nicht glauben können, dass es öffentliche Anlagen sind. Kostenfrei und zugänglich für alle, selbstverständlich.

Museen & Elche

Weiter geht es Richtung Westküste. Da wir im Schneckentempo unterwegs sind, ist der erste Zwischenstopp Karlsstad, am nördlichen Ende des Vänern-Sees. Hier ist das „Naturum Värmland“ einen Besuch wert. Mitten im Naturschutzgebiet liegt dieses Besucherzentrum, wo man alles über Flora und Fauna von Värmland lernen kann. Auch das „Värmlands Museum“ begeistert uns. Die Großen gehen in die aktuellen Ausstellungen, die Kinder in einen Spiel- und Kreativraum. Nie war ich entspannter im Museum. In Dalsland sehen wir endlich Elche – die Hoffnung, welche in der Natur zu entdecken, haben wir gar nicht. Also geht es direkt zu einer „Moose Farm“ und wir können Schwedens Nationaltier aus der Nähe betrachten.

An der Westküste

Endlich sind wir im Schärengebiet in der Nähe von Smögen. Ein absoluter Touri-Ort, aber sehr sehenswert (die bunten Badehäuser!) und vor allem der Küstenspaziergang durch die Felsenlandschaft ist wunderschön und abenteuerlich. Unser Stellplatz in Rörvik ist zwei Meter vom Wasser entfernt, die Kinder fischen Muscheln und Seeigel. Der Kescher war also eine gute Investition.

Midsommar-Traum

Mein absolutes Highlight dieser Reise und endlich erfüllter Wunsch nach 20 Jahren: Midsommar feiern in Schweden. Meine Freundin Karin lädt ein, Familie, Freunde – ein bunter Haufen. Es gibt ziemlich viel zu tun am Midsommar-Tag und man macht am besten einfach mit: Blumenkränze binden, die Dorfgemeinschaft treffen zum Tanzen und Singen, Kartoffeln & Hering essen, Erdbeertorte verspeisen, Tischlieder singen (es gibt ein eigenes Liederheft), Spiele spielen und ja, auch, etwas Familienstreit miterleben.

Unbedingt: Auf Wiedersehen!

Unser persönliches Fazit: Diese Familienzeit hat uns allen gutgetan, das spüren wir noch Monate später im Alltag. Die Abwechslung von Orten und Menschen war für uns genau richtig, damit einem im Wohnwagen nicht die Decke auf den Kopf fällt. Wir hatten richtig viel Glück mit dem Wetter und waren, wann immer möglich, draußen – das macht was mit einem. Tage sind auch ohne Arbeit ausgefüllt. Die Kinder brauchen gar nicht so viel Spielzeug. Wir wollen wieder hin! Also, eine Reise-Empfehlung? Können wir aussprechen! Auch ohne Rundreise und mit weniger Zeit: Wer Natur mag, wird Schweden lieben. Wer Kinder hat, dem fällt die Kinderfreundlichkeit des Landes auf. Wer Zimtschnecken liebt, ist hier genau richtig.

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Autor: Anja Wildemann

... ist verheiratet mit Manuel, die beiden haben zwei Töchter (heute 7 und 4). Sie arbeitet als Redakteurin, Produzentin und Moderatorin bei Hope TV. Zimtschnecken backt sie immer mit Kardamom.